Christian Segmehl und Paul Rivinius eröffneten die 22. Kammermusiktage mit einem vielseitigen Programm und einer Uraufführung

Vor Kurzem noch in der Hamburger Elbphilharmonie, am Freitagabend im Dilsberger Kommandantenhaus: Der Saxophonist Christian Segmehl und der Pianist Paul Rivinius eröffneten die 22. Kammermusiktage mit Musik auf höchstem Niveau. Die Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises lud zwei Künstler ein, die auch auf den großen Konzertbühnen brillieren. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.


Thomas Zachler, der stellvertretende Vorsitzende der Kulturstiftung, stimmte die Gäste auf die zweite Jahreshälfte von „Kultur im Kreis“ ein. Das Programm verbinde verschiedene Epochen und Stilrichtungen. Wie lebendig diese Vielfalt klingen kann, zeigte sich an diesem Abend.


Rivinius’ Spiel begann kraftvoll. Jules Demerssemans „Fantaisie sur un thème original“ aus dem Jahr 1860 entfaltete eine emotionale Wucht, in die das Saxophon keck und schwungvoll einstimmte. Segmehl berichtete, Adolphe Sax habe seinen Freund Demersseman gebeten, einen „Verkaufsschlager“ zu schreiben, um das 1840 von ihm erfundene Instrument bekannt zu machen.


Mit Alfred Schnittkes „Suite im alten Stil“ ging es weiter, für die Segmehl zum Sopransaxophon griff. Schnittke habe sich hier im „Naivsein“ ausgetobt, erklärte er. Den Kontrast dazu bildete György Ligetis „Mysteries of the Macabre“, das nur ein Jahr später entstand und die bis dahin heile Klangwelt gründlich durcheinanderwirbelte. Das Stück führt in die groteske Welt der Oper „Le Grand Macabre“. Der Polizeichef Gepopo soll dem Herrscher eine geheime Botschaft überbringen: Ein Komet rast auf die Erde zu.


Doch statt einer klaren Warnung stammelt er nur deformierte Signale und Wortfetzen. Segmehl und Rivinius machten das Chaos hörbar: Sie imitierten Orchestertöne, klopften auf den Flügel, flüsterten „Pst“ und „Scht“ und stürzten durch die Tonleiter. Eine Trillerpfeife versuchte vergeblich, Ordnung zu schaffen. Die Hektik des überforderten Gepopo wurde fast körperlich spürbar. Saxophon und Klavier lieferten sich einen irrwitzigen musikalischen Schlagabtausch, geprägt von schroffen Akzenten und halsbrecherischen Läufen.


Nach der Pause folgte eine Uraufführung. Der junge iranische Komponist Fereydoun Bahrami schrieb „Khâk-khoft“ und widmete es Segmehl. Der Titel bedeutet „im Staub schlafend“. Bahrami ließ das Publikum herzlich aus dem Iran grüßen; eine Kamera hielt die Premiere fest, deren Aufzeichnung anschließend in den Iran geschickt wird. Das Stück führt nach Shahr-e Sukhteh, einer rund 5000 Jahre alten archäologischen Stätte im Südosten des Landes. Saxophon und Klavier spürten der Energie nach, die bis heute geblieben ist.


Drei Sätze aus Astor Piazzollas „Tango Suite“ brachten südamerikanisches Temperament ins Kommandantenhaus. Segmehl beschrieb Piazzollas Musik als selbst in den verrücktesten Besetzungen wirkungsvoll. Den Schlusspunkt des offiziellen Programms setzte Darius Milhauds „Scaramouche“.


Die drei Sätze – „Vif“, „Modéré“ und „Brazileira“ – spiegeln Milhauds Eindrücke aus seiner Zeit in Rio de Janeiro wider. Klassische Elemente, Jazz und brasilianische Folklore verschmolzen zu einem mitreißenden Finale. Mit einer ruhigen, ausdrucksvollen Interpretation einer „Enigma“-Variation von Edward Elgar als Zugabe setzten Segmehl und Rivinius einen besinnlichen Schlusspunkt.


Applaus und Bravorufe belohnten die Künstler für ein atmosphärisches, meisterhaftes Konzert.
Christian Segmehl zählt zu den gefragtesten Saxophonisten Deutschlands, konzertiert europaweit und erhielt 2010 einen ECHO Klassik. Er gründete die Konzertreihe „AllgäuKonzerte“. Paul Rivinius machte sich als Kammermusiker unter anderem mit dem Clemente-Trio einen Namen. Er spielte bereits in der Carnegie Hall in New York und der Wigmore Hall in London und ist Mitglied des Mozart Piano Quartetts. Die Kammermusiktage werden am 23. Oktober um 19.30 Uhr im Kommandantenhaus Dilsberg mit dem Duo Pianoforte fortgesetzt.
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