27.04.2026
Mit einem heiteren, abwechslungsreichen Abend begann in Dilsberg eine neue Lesereihe. Unter dem Titel „LeseZeit auf dem Dilsberg“ lud die katholische öffentliche Bücherei am Sonntag ins Gemeindehaus ein.


Fünf Autorinnen und Autoren der Gruppe „LeseZeit“ gestalteten den Abend. Das Publikum nahm in dem liebevoll hergerichteten Raum Platz, dessen Mittelpunkt ein großer roter Lesesessel auf der kleinen Bühne bildete und für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgte.


Katharina Gromann begrüßte die Gäste und Künstler und erzählte von einer E-Mail Rolf Thums, einem der Gründer der „LeseZeit“. Bei einem Spaziergang erinnerte er sich an frühere Literaturabende im „Café Pippifax“ in der Dilsberger Feste. Diese Erinnerung brachte ihn auf die Idee, die Lesungen wiederzubeleben.


Also schrieb er an die katholische Bücherei. Gromann, einst Mitbetreiberin des „Pippifax“ und heute Leiterin der Bücherei, erkannte Thum sofort. Ihr Wiedersehen markierte den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe. Die Texte boten Vielfalt: mal nachdenklich, mal heiter, von Alltagsbeobachtungen bis zu skurrilen Geschichten.


Edith Brünnler aus Ludwigshafen eröffnete den Abend mit pfälzischem Humor. In ihrer Geschichte über einen Muttertag im Pflegeheim schilderte sie aus der Perspektive einer Bewohnerin, die auf den Besuch ihrer Tochter wartet. Mit dem Wechsel zwischen Hochdeutsch und Dialekt brachte sie das Publikum zum Schmunzeln.


Erik Hauser las aus seiner Kurzgeschichte „Die Abstellkammer“, die 2021 für den Heidelberger Autorenpreis nominiert war. Seine detailreichen Beschreibungen eines überfüllten Abstellraums trafen ins Schwarze. Viele Gäste erkannten ähnliche Zustände bei sich zu Hause wieder. Als die Hauptfigur Bertram schließlich durch ein Missgeschick eingeschlossen wird, während die Familie verreist, ist das Chaos perfekt. Das Publikum brach in herzhaftes Lachen aus. „Super! “, rief eine Zuhörerin spontan.


Marga Vedder, gebürtig aus Hamburg und seit 1976 in Speyer zu Hause, schöpfte aus ihrem beruflichen Erfahrungsschatz als Kosmetikerin. Mit humorvollen Anekdoten unterhielt sie die Zuhörer: von der Lehrerin, die ihre Putzfrau in der Badewanne erwischt, bis zu Haustieren mit Vorliebe für Armani-Anzüge. Ihre klug komponierten Geschichten sorgten für beste Unterhaltung.


In der Pause gab es Snacks und Getränke, die das Team der KÖB vorbereitet hatte. Drinnen und auch im Pfarrhof plauderten die Gäste, kamen mit den Autoren ins Gespräch und erwarben die ein oder andere Ausgabe, die die Autoren auf einem Tisch ausgebreitet hatten.


Dann übernahm Gabriele Feth-Biedermann. Die gebürtige Mannheimerin, heute in Reilingen zu Hause, warf in ihrem Text „Wir waren Helden“ einen augenzwinkernden Blick auf die Jugend der frühere Generationen. Ohne Smartphone, soziale Medien oder Online-Handel, dafür mit heimlich zugesteckten Zetteln im Klassenzimmer, einer heiß geliebten Jeans und dem Poesiealbum, beschwor sie das Bild einer unbeschwerteren Zeit.


Den Abschluss übernahm Rolf Thum. Mit Charme und Witz trug er Gedichte über tierische Begegnungen vor. Besonders „Das Krokodil“, eine Uraufführung in Dilsberg, kam gut an. Auch Verse wie „Der Gartenzwerg“ und „Der Tyrannosaurus Rex“ ernteten Applaus.


Seit 2003 vereint „LeseZeit“ Schreibende aus der Rhein-Neckar-Region und darüber hinaus. Die Autoren treten an verschiedenen Orten auf, sei es bei Lesungen oder Poetry Slams. Es kann auch mal ein Bestattungsunternehmen sein. „Das gehört ja schließlich auch zum Leben dazu“, wie Marga Vedda vergnügt anmerkte. Am Ende blieb ein durchweg positiver Eindruck.

Katharina Gromann dankte ihrem KÖB-Team: Helga Diedler, Maria Ziegler, Monika Hampel und Tanja Baust. Die Autorinnen und Autoren überzeugten mit ihrer Freude am Erzählen, dem Publikum gefiel es.


„Wir wollen die Bücherei stärker im Ort verankern und kulturelle Angebote sichtbarer machen“, erklärte Gromann im Gespräch mit der RNZ. Die Chancen stehen gut, dass die Lesungen auf dem Dilsberg wieder zur festen Tradition werden.
T.+B. mbue
