Vier Hände, ein musikalischer Dialog – Duo Pianoforte begeisterte mit „Impression & Expression“

Wie vielfältig ein einziger Flügel klingen kann, zeigte am Freitagabend das Duo Pianoforte im Kommandantenhaus Dilsberg. Mit ihrem Programm „Impression & Expression“ führten Jonas Stark und Jun-Ho Gabriel Yeo das Publikum durch unterschiedliche Klangwelten: von impressionistischer Leichtigkeit bis zu romantischer Dramatik. Trotz herbststürmischen Wetters war der Saal gut gefüllt.

Ulrich Bäuerlein von der Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises hob bei seiner Begrüßung hervor, dass Andreas Treibel für die 22. Kammermusiktage zwei Ausnahmepianisten nach Dilsberg geholt habe. Als künstlerischer Leiter gestaltet Treibel auch die Programmhefte der Konzertreihe mit ausführlichen Erläuterungen zu Werken und Komponisten.

Jonas Stark und Jun-Ho Gabriel Yeo teilten sich den schwarzen Flügel und gestalteten einen musikalischen Dialog, bei dem Präzision und Zusammenspiel selbstverständlich wirkten.

Mit Maurice Ravels „Ma mère l’Oye“, was so viel wie „meine Mutter, die Gans“ bedeutet, eröffneten sie den Abend. Die 1910 in Paris uraufgeführte Suite entführte in musikalische Märchenwelten. Wogende Klangbewegungen schwollen an und sanken wieder in zarte, schwebende Töne zurück. Das Publikum lauschte gebannt, teilweise mit geschlossenen Augen.  

Claude Debussys „Petite Suite“ zeigte, wie facettenreich ein Klavier zu vier Händen klingen kann: von der Bootsfahrt über einen Aufzugsmarsch und ein höfisches Menuett bis zum Ballett. Die Melodien verschmolzen, lösten sich wieder voneinander und fanden neu zusammen. Mal klang die Musik träumerisch und zart, mal impulsiv und tänzerisch.

Landrat Manuel Just, zugleich Vorsitzender der Kulturstiftung, erzählte in der Pause, er habe von seinem Platz in der ersten Reihe beobachten können, wie die Bäume draußen im Wind zur Musik zu tanzen schienen. Er verriet, dass er eher aus der sportlichen Ecke komme. Ein Instrument zu spielen, sei ihm leider nicht gegeben. Dafür habe er sein Herz für Kunst und Kultur entdeckt. Sein Lieblingskomponist sei Ludwig van Beethoven.

Im zweiten Teil des Konzerts wechselten die Klangfarben. Francis Poulencs „Sonate für vier Hände“ setzte mit rhythmischer Prägnanz, überraschenden Kontrasten und Stimmungswechseln einen neuen Akzent. Die Pianisten hatten inzwischen die Plätze getauscht. Mit sichtlichem Vergnügen spielten sie sich die musikalischen Motive zu und ließen sich von den Melodien tragen. Mit Franz Schuberts „Rondo A-Dur D 951“ und dem „Allegro a-Moll D 947“, bekannt als „Lebensstürme“, rückte die Romantik in den Mittelpunkt.

Ruhige, fließende Klänge wechselten mit kraftvollen Passagen und erinnerten an die Gegensätze, die das Leben mit sich bringt. „Sehr schön“, raunte es im Publikum. Jonas Stark und Jun-Ho Gabriel Yeo zählen zu den vielfach ausgezeichneten Pianisten ihrer Generation. Beide haben sich bei internationalen Wettbewerben einen Namen gemacht und treten regelmäßig auf renommierten Konzertbühnen auf.

Als Duo fordern sie sich musikalisch gegenseitig heraus, greifen die Ideen des anderen auf und lassen ihm zugleich Raum für eigene Akzente. Für ihre Auftritte in der Saison 2026/27 werden sie von der Konzertförderung des Deutschen Musikwettbewerbs und der GVL unterstützt.

Stürmischer Applaus und Bravorufe belohnten die Musiker. Als Zugabe kündigte Jonas Stark Schuberts „Marches militaires“ an. Doch auch danach hielt der Applaus an. „Noch lassen Sie uns nicht gehen“, scherzte Jun-Ho Gabriel Yeo ins Publikum. Mit dem berühmten Walzer Nr. 15 aus Johannes Brahms’ op. 39 verabschiedete sich das Duo und entließ die Zuhörer mit einer sanft wiegenden, verträumten Melodie im Ohr in den Abend.

T.+B. mbue