Strahlender Sonnenschein, fröhliches Blöken und viele begeisterte Besucher: Der Lebenshof Sonnenseite e.V. öffnete am Samstag (18. April) erstmals seine Tore für die Öffentlichkeit – genau ein Jahr nach seiner Gründung. Der „Tag der offenen Stalltür“ bot den begeisterten kleinen und großen Besucher:innen spannende Einblicke in das Konzept eines Lebenshof und seiner „geretteten Seelen“, wie die 42 Schafe und drei Ziegen liebevoll genannt werden.


Während die Gäste – wohlversorgt mit Getränken, leckerem Kuchen und veganen Würstchen – bei den Hofführungen viel Neues erfuhren, genossen die Schafe und Ziegen das, was sie am liebsten tun: grasen, dösen, wiederkäuen und spielen.


Malerisch gelegen, zwischen Dilsberg-Rainbach und Dilsberg-Neuhof, liegt der Lebenshof Sonnenseite. Was vor einem Jahr mit einer kleinen Herde von 15 Schafen begann, ist heute ein Zuhause für 42 Schafe und drei Ziegen, die aus mehreren Bundesländern kommen. Die Tiere dürfen hier behütet und in artgerechter Umgebung ihr Leben verbringen.


Hinter jedem Tier steckt eine eigene Persönlichkeit, eine eigene Geschichte. Einige von ihnen hatten schon sprichwörtlich „das Messer am Hals“, bevor sie in letzter Sekunde gerettet wurden. „Wir schenken Tieren hier einen Lebensplatz in Sicherheit, das ist richtig, aber es geht mir auch darum, den Menschen zu zeigen, wie wertvoll alle Tiere sind“, berichtet Nicole Tettweiler, eine der beiden Vorsitzenden des Vereins, die gemeinsam mit Diana Mayer den Hof mit Herzblut und großem persönlichem Einsatz führt.


„Ich möchte zeigen, dass ein Schaf oder eine Ziege genauso leben möchte, wie ein Hund oder eine Katze“, betont Nicole Tettweiler. „Dass sogenannte Nutztiere genauso wertvoll sind, wie sogenannte Haustiere. Meines Erachtens gibt es keinen Unterschied. Alle Tiere wollen das gleiche: Leben und das artgerecht. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und seine Geschichte“. Seit wenigen Wochen zieht Tettweiler drei verwaiste Lämmer mit der Flasche groß. Jetzt sind sie drei quicklebendige, fröhliche „Spring-ins-Feld“ und bestens in die Herde integriert.


Die Besucher:innen konnten sich davon überzeugen, dass der Lebenshof mehr ist als ein Refugium für Tiere: Auf rund fünf Hektar Fläche pflegen die Schafe und die drei Brombeerhecken liebenden Ziegen die Landschaft zwischen Bus Mayer und dem städtischen Allmend – ganz ohne Maschinen, dafür aber zu 100 Prozent umweltfreundlich, leise und sanft. Schafe fressen das Gras kurz, düngen den Boden gleichzeitig durch ihren Kot und fördern damit die Biodiversität, indem sie Samen in ihrem Fell verbreiten. Sie sind die perfekten ökologischen Rassenmäher. „Die Tiere leisten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft“, erklärt Diana Mayer. „Gleichzeitig schaffen wir so Lebensraum für viele andere Arten.“


Vor der Führung gaben Nicole Tettweiler und Diana Mayer Antworten auf viele spannende Fragen. Und warum müssen wir unsere Schuhe desinfizieren, bevor wir Weide und Stall betreten? Die Desinfektion von Schuhen vor dem Betreten einer Schafweide ist tatsächlich sehr wichtig, um die Einschleppung von Krankheitserregern zu verhindern. Sie schützt die Tiere vor der Übertragung von Bakterien (wie Moderhinke), Viren oder Parasiten, die an Schuhsohlen zum Beispiel von Spazierwegen haften können damit nicht unnötig viel Keime auf die Weide getragen werden, erklärten Nicole Tettweiler und Diana Mayer den staunenden Gästen.


Bei den Führungen über das Gelände, Gesprächen mit dem Lebenshof-Team und beim direkten Kontakt mit den Tieren wurde schnell klar: Hier wird mit Herz und Überzeugung gearbeitet.


Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgten für das leibliche Wohl der Gäste und für die ganz Kleinen gab es einen Basteltisch.


Neugierde und großes Interesse auf beiden Seiten. Gerade Kinder öffnen sich Tieren sehr schnell. „Es ist beeindruckend, wie viel Liebe und Fachwissen in diesem Projekt steckt“, so eine Besucherin. Ein andere ergänzte: „Die Schicksale der Tiere berühren mich sehr und regen zum Umdenken an“. „Ich finde, es ist ein wundervolles Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Menschen mit Leidenschaft an etwas glauben“, so ein Besucher. Die Tiere auf dem Lebenshof sind Botschafter:innen für all jene, die sich nicht wehren können.


Die drei jungen, kastrierten Ziegenböcke zeigten sich als ausgesprochen lustige und neugierige Gesellen. Sie sind sehr menschenbezogen und kuscheln gerne, erzählte Nicole Tettweiler. Und die drei haben jede Menge Spaß miteinander, wobei auch mal eine kleine Rauferei im Spiel ist.


Der Lebenshof Sonnenseite zeigt, wie Tierwohl und Naturschutz sinnvoll zusammenwirken können. Mit viel Engagement und Überzeugungskraft haben Nicole Tettweiler und Diana Mayer gemeinsam mit einem starken Team – dem „harten Kern“ – in nur einem Jahr ein Projekt geschaffen, das weit über die Region hinaus strahlt. Zum Team gehören Alexander Materi, Frank Kälble, Tobias Tettweiler, Andreas Lehmann und Wolfgang Berberich.
Wer dieses schöne Projekt fördern möchte, kann eine Tier- oder Hofpatenschaft übernehmen oder selbst aktiv mithelfen. „Jede Hilfe zählt – ob durch Spenden, Patenschaften oder praktische Mithilfe“, betont Nicole Tettweiler. „Unsere Mission ist es, unseren Tieren ein artgerechtes Leben zu schenken und ihnen eine Stimme zu geben. Gemeinsam können wir noch mehr Tieren ein würdevolles Leben ermöglichen.“
Text und Fotos: Steffanie Richter
Kontakt und weitere Informationen:
Web: www.lebenshof-sonnenseite.de (im Aufbau)
Instagram: @lebenshofsonnenseite
E-Mail: info@lebenshof-sonnenseite.de