„Dialog und Seele“ trug in den Romantikhimmel: Duo begeisterte im Kommandantenhaus

Geschlossene Augen, lächelnde Gesichter, gespannte Stille: Am Freitagabend ging das Publikum im Kommandantenhaus ganz in der Musik auf. „Dialog und Seele“ nannten Julia Smirnova (Violine) und Sonja Kowollik (Klavier) ihr Programm, mit dem sie bei den 22. Kammermusiktagen auftraten. Ulrich Bäuerlein, Geschäftsführer der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis, berichtete begeistert, er habe das herausragende Duo schon eine Woche zuvor in Sinsheim gehört.

Den Auftakt machten Clara Schumanns „Drei Romanzen op. 22“. Gleich im ersten Satz, „Andante molto“, ließ Julia Smirnova ihre Violine sinnlich singen. Dieser Klang prägte den ganzen Abend. Feine Wechsel in der Melodieführung verliehen dem „Allegretto mit zartem Vortrag“ Leichtigkeit. Violine und Klavier warfen sich Gedanken zu, antworteten einander und schufen ein lebendiges Wechselspiel. Der dritte Satz, „Leidenschaftlich schnell“, brachte Schwung im Dreivierteltakt.

Die Zuhörer hatten die Augen geschlossen, lehnten sich entspannt zurück, um dem virtuosen Spiel zu lauschen. Bevor es mit dem estnischen Komponisten Arvo Pärt weiterging, sprach Julia Smirnova über dessen Schaffenskrise, aus der er 1976 seinen minimalistischen Stil entwickelte. Der heute 91-Jährige prägt damit die zeitgenössische Musik.

„Fratres“, lateinisch für „Brüder“, zeigte das eindrücklich. Pärts Markenzeichen, die Tintinnabuli-Technik, verbindet eine melodische Stimme mit einer zweiten, die sich an den Tönen eines Dreiklangs orientiert. Im Zusammenspiel entfaltete das Duo aus den wiederkehrenden Motiven eine breite Palette an Stimmungen: meditative Klänge, kraftvolle Passagen und zarte, gezupfte Töne. Die Violine stieg in ungeahnte Höhen, voller Klarheit und Anmut, bevor das Stück in Stille verklang.

Mit Amy Beach folgte eine weniger bekannte Komponistin. Sie brachte sich mit vier Jahren das Notenlesen bei und debütierte mit 16 als Konzertpianistin. Sonja Kowollik erzählte, dass Beach mit 18 einen Bostoner Chirurgen heiratete, der ihr zwar das Komponieren erlaubte, aber ihre Konzerttätigkeit untersagte. Erst nach seinem Tod konnte sie ihre Musik auf Konzertreisen bis nach Europa bringen. „Dazu, dass sie heute mehr gespielt wird, tragen wir gerne bei“, sagte Kowollik. Die 1898 entstandenen „Three Pieces op. 40“ entfalten einen intensiven Dialog, in dem Violine und Klavier einander in der Führung abwechseln. „La Captive“ begann ausdrucksstark, „Berceuse“ ließ die Töne wiegend durch den Saal schweben. Die „Mazurka“, einem polnischen Volkstanz nachempfunden, führte zu einem mitreißenden Dialog.

In der Pause ging es nach oben, um sich mit Getränken und Häppchen zu versorgen. Die Kulturstiftung verwöhnte die Gäste wieder mit Imbisstellern.

An den Stehtischen fanden sich Gäste und Nachbarn zusammen, alle waren schon in der Pause begeistert vom Konzerterlebnis.

Im zweiten Teil des Konzerts kehrte das Duo zu den Schumanns zurück. Sonja Kowollik spielte solistisch zwei Sätze aus Robert Schumanns „Drei Romanzen für Klavier“: „II. Einfach“ und „I. Sehr markiert“. Sie ließ in ihrem meisterhaften Spiel Schumanns Seelenverfassung – sensibel und unruhig – spürbar werden.

Den Abschluss des Abends bildete Johannes Brahms’ „Violinsonate Nr. 1 G-Dur op. 78“. Brahms widmete das Stück seinem Patensohn Felix Schumann, der mit 24 Jahren starb. „Man hört die Trauer in der Sonate“, erklärte Kowollik, „aber sie ist in G-Dur.“ Diese Tonart, ein Lächeln mit einer Träne, mache das Werk besonders berührend. Die Sätze „Vivace ma non troppo“, „Adagio“ und „Allegro molto moderato“ luden dazu ein, nach innen zu lauschen. Mit großem Applaus dankten die Zuhörer dem Duo. Als Zugabe spielte das Duo „La Poule“ (Die Henne) von Jean-Philippe Rameau.

Julia Smirnova studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und spielt bei den Münchner Philharmonikern. Sonja Kowollik begann mit neun Jahren als Jungstudentin in Münster und setzte ihre Ausbildung in Berlin, Köln und Helsinki fort. Beide Musikerinnen sind vielfach ausgezeichnet und gefragte Solistinnen und Kammermusikerinnen.

Was für ein Glück für Dilsberg, solch hochkarätige Musikerinnen und Musiker im Kommandantenhaus erleben zu dürfen.

T.+B. mbue