Klangpost im Kommandantenhaus: Konzertreise von Südamerika nach Europa mit Duo Intermezzo

Ein Abend wie eine Reise nach Südamerika – allerdings ohne Koffer, Flugzeug und Jetlag.

Ute Zedler, stellvertretende Vorsitzende der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis, begrüßte das Publikum und lud ein: „Lassen Sie sich bezaubern von Temperament und Rhythmen.“ Im gut gefüllten Saal des Kommandantenhauses Dilsberg präsentierte das Duo Intermezzo ein facettenreiches Programm, das Südamerika und Europa musikalisch verband.

Auch die aktuellen Stipendiaten Peter Hock und Nadja Schöllhammer waren anwesend; ihre Ausstellung „Polymorphia“ fand an diesem Abend ihren Abschluss. Besonders Hocks großformatige Kohlearbeit über dem Flügel wirkte, als sei sie eigens für diesen Raum geschaffen. So verschmolzen an diesem Abend Musik und bildende Kunst auf eindrucksvolle Weise.

Mit dem schwungvollen „Calypso Run“ von Michael Schütz eröffneten Brigitte Becker am Flügel und Almut Werner auf der Blockflöte den Abend. Schon die ersten Töne ließen Füße und Köpfe im Publikum wippen. Almut Werner führte durch den Programmteil und sprach augenzwinkernd von einer „Kolonialisierung der positiven Art“, als sie die Idee musikalischer Postkarten zwischen Europa und Südamerika erklärte.

Der Wechsel der Stile machte dies hörbar: Tango traf auf barocke Formen, südamerikanische Folklore auf europäische Kompositionstradition. Den Tango-Block eröffnete Manuel Campoamors „La cara de la luna“. Um den ursprünglichen Klang einzufangen, spielte Werner auf einer schlichten, grünen Holzflöte. In „El Choclo“ von Ángel Villoldo und dem traditionell geprägten „Miserlou“ verschränkten sich Klavier und Flöte zu einem tänzerischen Dialog. Dann änderte sich die Stimmung: Mit Astor Piazzollas „Nightclub 1960“ wurde es melancholisch, fast filmisch. Die Musik malte nächtliche Straßenzüge und flüchtige Begegnungen.

Einen reizvollen Kontrast boten die barock anmutenden Sätze aus dem bolivianischen „Archivo de Chiquitos“. Hier zeigte sich, wie europäische Einflüsse in der Neuen Welt weiterlebten und sich mit lokalen Traditionen verbanden. Werner setzte parallel Schellen und Trommel ein und schuf so eine lebendige Klangfarbe.

Nach der Pause ging die Reise leicht und verspielt weiter, gewürzt mit einer Prise Jazz. Celso Machados „Paçoca“ und „Quebra Queixo“, benannt nach brasilianischen Süßigkeiten, wirkten wie kleine musikalische Leckerbissen. In Steve Marshalls „Latin Postcards“, dem Leitmotiv des Konzerts, beeindruckte Werner mit dem warmen, erdigen Klang der Bassblockflöte. Ein weiterer Höhepunkt war „Bayle del Chimo“ aus dem „Códice Trujillo del Perú“, in dem europäische Barocktradition und südamerikanische Folklore verschmolzen.

In Gordon Jacobs „Burlesca alla Rumba“ und Jean Françaix’ „Samba Lenta – Mambo“ entfernte sich die Musik von vertrauten Hörgewohnheiten. Bekannte Tanzformen werden hier künstlerisch verfremdet. „Es ist außergewöhnlich, Sie werden hören, was ich meine“, kündigte Becker an. Mit „Salsa“ von Michael Schütz schloss sich der musikalische Kreis zum Beginn des Konzerts. Das begeisterte Publikum ließ das Duo nicht ohne zwei Zugaben gehen: das virtuose, vogelstimmenreiche „Tico-Tico no Fubá“ und „A Night in the Garden of Eden“ von Harry Kandel, ein Stück aus dem neuen Sommerprogramm des Duos. Werner und Becker überzeugten nicht nur durch technische Präzision, sie schlugen Brücken zwischen Kontinenten, Zeiten und Künsten. Oder, um im Bild zu bleiben: Diese musikalischen Postkarten kamen an.

T+B. mbue

20.03.2026