Abschlussausstellung Nadja Schöllhammer und Peter Hock: „Polymorphia“ im Kommandantenhaus

Am Samstagnachmittag feierte die Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis die Abschlussausstellung „Polymorphia 2026“ von Nadja Schöllhammer und Peter Hock.

Sphärische Handpan-Klänge erfüllten das Dilsberger Kommandantenhaus zu Beginn. Ulrich Bäuerlein, Geschäftsführer der Kulturstiftung, spielte selbst und setzte so einen stimmungsvollen Auftakt.

Rund 40 Gäste, darunter der Dilsberger Ortsvorsteher Andreas Erles, kamen zur Vernissage. Galeristin Julia Philippi führte das Künstlergespräch und fragte, wie es sich im alten Gemäuer fern der Großstadt arbeite.

Nadja Schöllhammer, gebürtige Esslingerin, antwortete prompt: „Es ist unglaublich und toll, wieder hier zu sein.“ Schon 2024 lebten beide als Stipendiaten in der kleinen Wohnung des Kommandantenhauses, nun folgte der zweite Aufenthalt Anfang Januar.

Peter Hock kannte Dilsberg vor seinem Aufenthalt nicht. Aus „Heidelbergblick“, gestand er augenzwinkernd, sei ihm das, was dahinterliege, ein „Rätsel“ gewesen. Jetzt schwärmt auch er: Burg, Bäume, Wege – all das präge ihre Arbeit. Sie fotografierten, zeichneten, sammelten Eindrücke. Sie entdeckten sogar Nosferatu-Spinnen, die Schöllhammer zeichnerisch verarbeitete. Am liebsten würden beide ein paar Bäume und „Lieblingsecken“ mit nach Berlin nehmen – oder gleich die Burg als Sommerresidenz einrichten.

„Wie beginnen sie eine Zeichnung?“, fragte Philippi. „Es ist eigentlich alles schon da“, sagte Schöllhammer. Man müsse nur genau hinsehen. Selbst ein Haufen Müll könne ein Universum sein. Entscheidend sei die Begegnung – zwischen Wesen, Dingen, Formen. Hock erzählte von nächtlichen Streifzügen durch Berlin. „Da kommt man manchmal in einen Sehrausch.“ Die Eindrücke ziehen an und fordern heraus.

Den Titel „Polymorphia“ wählten sie bewusst. Er steht für Vielgestaltigkeit und erinnert an das Orchesterwerk „Polymorphia“ von Krzysztof Penderecki aus dem Jahr 1961. 48 Instrumente schichten Klänge, bilden Cluster, lösen Linien auf. Ähnlich arbeiten beide Künstler: Formen überlagern sich, zerfallen, finden neu zusammen.

Schöllhammer arbeitet auf Papier. Fragil, widerständig, lebendig – so beschreibt sie ihre Begeisterung für das Material. Rot und Schwarz dominieren ihre Zeichnungen. Rot steht für Blut, Energie, das Vitale. Im Kommandantenhaus leuchten ihre „Menschentürme“ in kräftigem Rot: viele Körper übereinandergeschichtet auf einer Fläche. Andere Bilder zeigen Tiere, die sich beim Betrachten zu verwandeln scheinen. Während ihrer Arbeit daran erfindet sie Geschichten – offene, ohne Anfang und Ende – und haucht den Wesen Leben ein.

Hock zeichnet seit seinem 14. Lebensjahr mit Kohle, oft nur mit Staub, und radiert die Formen. „Das Bild macht Vorschläge“, sagt er. Seine großformatigen Blätter greifen in den Raum. „Er wird größer, begehbarer.“ Über dem Flügel im Erdgeschoss hängt eine zwei Meter hohe Zeichnung. Tiefes Schwarz zieht den Blick sofort an. Im Obergeschoss wirkt ein Bild fast wie eine Skulptur.

Schöllhammer und Hock verbindet das Zeichnen und fühlen sich Phänomen des Zerfalls angezogen. Sie zeigen, wie Organisches sich wandelt – wie es wuchert, bricht und vergeht. Und sie finden darin Schönheit. Ihre Bilder entwickeln Sog. Man tritt näher, weicht zurück, verändert die Perspektive. Ist es ein Tier? Ein Baum? Eine Landschaft? Oder etwas ganz anderes?

Eine Serie von Spinnenzeichnungen von Schöllhammer fasziniert die Besucher. Fein mit Bleistift gezeichnet, erinnern manche an die Nosferatu-Spinne, die die Künstler hier entdeckten. Nach dem offiziellen Teil kamen die Besucher mit den Künstlern ins Gespräch, betrachteten die Bilder mehrmals und entdeckten immer wieder Neues.

Vielleicht war das der schönste Effekt des Nachmittags: Die Ausstellung schärfte den Blick für die Welt – für Schatten, Übergänge und das Verborgene. Die nächste Gelegenheit, die Bilder im Kommandantenhaus zu bewundern, bietet sich am 6. März 2026 um 19.30 Uhr: ein Konzert des Sevilla Guitar Duo mit Francisco Bernier und Antonio Duro.

Weitere Informationen: https://kultur-im-kreis.net/

T.+B. mbue