

Ernst Merdes und Claudia Rittmüller stehen vor dem Gerüst, das sich fast bis zum Kirchturm erstreckt und seit Juli die Sandsteinfassade der evangelischen Kirche verhüllt. Nach Jahren des Wartens ist das Gerüst ein sichtbares Zeichen: Die Sanierung kann weitergehen. Auf 288 Metern Höhe thront die Kirche, erbaut zwischen 1871 und 1873 nach Plänen des Architekten Karl Hermann Behaghel im neugotischen Stil. Normalerweise ist das Gotteshaus wochentags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, bleibt nun aber bis mindestens Jahresende geschlossen.


Die Arbeiten sind umfangreich. Die Fassade wird heiß abgestrahlt. Schadstellen werden ausgebessert, beschädigte Steine ersetzt. Kaputte Steinfiguren werden restauriert oder, wenn das nicht mehr möglich ist, neu angefertigt.
Auch die Schallschutzläden werden ausgetauscht, weil sie den aktuellen Vorschriften nicht mehr genügen. Im September entfernen Dachdecker alle Schindeln und ersetzen sie durch neue. Gleichzeitig werden die Kirchenfenster ausgebaut. Ein Glasfensterbauer aus Schwaben restauriert sie in seiner Werkstatt. Dafür sind rund zehn Wochen eingeplant. Elektrische Kippanlagen sollen das Öffnen und Schließen künftig erleichtern. Außen wird der Sandstein gründlich gereinigt.


Auch innen wird gearbeitet. Um die Fenster auszubauen, entstehen im September Gerüste im Chorraum und an den Seiten. Trotz der Bauarbeiten finden die Gottesdienste statt. Bis Jahresende soll der zweite Bauabschnitt abgeschlossen sein.


Der Aufzug für das Baumaterial wird angebracht. Dafür musste ein Kran her. Eine Besonderheit ist die Turmuhr. Für sie ist die Gemeinde zuständig. Mit Unterstützung von Ortsvorsteher Andreas Erles brachte der Gemeinderat das Thema voran. Zifferblatt und Zeiger werden erneuert und restauriert. Die ungewöhnliche Zuständigkeit geht auf ein Kirchenedikt aus dem 19. Jahrhundert zurück. Damals war das Glockenläuten für die Landbevölkerung ein wichtiges Zeitmaß. Um 12 und um 18 Uhr kündete die Glocke die Stunde an. Das Edikt wurde nie überarbeitet und gilt deshalb bis heute.

Zum Weihnachtsgottesdienst, hofft Claudia Rittmüller, Vorsitzende des Ältestenkreises und Mitglied im Bauausschuss, wird die Kirche innen wieder gerüstfrei sein.
Dass die Sanierung überhaupt begann, war keineswegs selbstverständlich. Das Projekt wurde 2021 geplant, aufgeteilt in vier Bauabschnitte: zuerst Hang und Treppen, dann die Kirche, anschließend die Außenanlagen und schließlich – auf Wunsch des Fördervereins – der Ausbau des Funktionsgebäudes. Der erste Abschnitt startete 2022 und endete 2023 pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum der Kirche. Damals entstand auch der Pilgerweg, der den Aufgang mit Schautafeln und jahreszeitlichen Impulsen bereichert. Dann stoppte ein Baumoratorium der Landeskirche die Arbeiten und verhinderte den Beginn neuer Maßnahmen. 2024 beantragte der Bauausschuss die Fortsetzung der Sanierung. Ein Jahr später folgte die Zusage. Doch alle Ausschreibungen mussten neu erfolgen, da die alten Angebote nicht mehr galten. „Jetzt kostet alles rund 30 Prozent mehr als damals“, sagt Merdes.


Für Pfarrerin Franziska Schmidt ist trotz aller Mühen vor allem eines wichtig: dass die Kirche erhalten bleibt. Sie freut sich schon darauf, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. „Sie darf dann noch mehr glänzen“, sagt sie. Besonders dankbar ist sie den Ehrenamtlichen, die ihre Zeit und ihr Engagement in das komplexe Projekt investieren und es mit großer Sorgfalt vorantreiben.
T.+B. mbue