

Ein lauer Abend, historische Mauern und beste Laune: Der Hof vor dem Dilsberger Kommandantenhaus bot am Samstag die ideale Kulisse für „Music and Poetry“. Die Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises präsentierte das Event gemeinsam mit WORD UP! Poetry Slam Heidelberg. Vier Slam-Poetinnen und -Poeten sowie die Band Easy Blue verzauberten das Publikum mit einem Abend, an dem Musik und Texte kunstvoll verschmolzen.


Ulrich Bäuerlein, Vorsitzender der Kulturstiftung und zugleich Schlagzeuger von Easy Blue, brachte die Atmosphäre auf den Punkt: „Was für ein Glück mit diesem sommerlichen Frühlingsabend. “ Bei milden Temperaturen entwickelte sich ein Abend, der von Anfang bis Ende begeisterte.

Die sechsköpfige Band eröffnete mit „Come Together“ von den Beatles und spielte sich direkt in die Herzen der Zuhörer. Mit den kraftvollen Stimmen von Daniela Kock und Heidi Scheurer, Walter Hoinka an der Gitarre, Mario Herberger am Bass, Ulrich Bäuerlein am Schlagzeug und Michael Engler am Keyboard boten sie ein mitreißendes Programm.


Lionel Richies „Easy“ versprühte sommerliche Leichtigkeit, Udo Jürgens‘ „Ehrenwertes Haus“ und „Lady Madonna“ von den Beatles weckten Nostalgie und luden zum Mitsingen ein.


Julie Kerdellant, selbst Poetry-Slammerin, führte charmant durch den Abend. Sie brachte dem Publikum den „10-Punkte-Applaus“ bei – mit sofortigem Erfolg – und erklärte die Grundregeln des Poetry Slams: Die Texte müssen selbst geschrieben, ohne Hilfsmittel vorgetragen und in einer festgelegten Zeit präsentiert werden.


Stefan Unser aus Gernsbach eröffnete mit einer Liebeserklärung an das Problem: Als Kinder lösten wir sie noch mühelos – im Erwachsenenleben aber hängen wir an gerne an ihnen. Während manche mit einer Vier in Mathe zufrieden sind, raubt anderen schon eine Eins minus den Schlaf. In seinem zweiten Text nahm er die Begriffe „Verantwortung“ und „Selbstwirksamkeit“ aufs Korn – mit trockenem Humor. Er hatte den Text geschrieben, bevor er überhaupt wusste, was Selbstwirksamkeit bedeutet. Sein Fazit: Vertrauen und Optimismus sind besser als ständige Sorgen.


Natalie Friedrich schilderte anschließend mit feinem Witz den Alltag in einer Bäckerei. Der Service ist oft herausfordernd, doch ein Lächeln, tiefes Durchatmen – oder notfalls eine kleine Notlüge – helfen weiter.


Easy Blues Interpretation von Sades „Smooth Operator“ setzte einen sinnlichen Schlusspunkt unter den ersten Teil.


Nach der Pause begeisterten Adeles „Rolling in the Deep“, Billy Joels „Piano Man“.


Uli Höhmann, Betreiber einer Lesebühne in Frankfurt, widmete sich in seinem Text der Schönheitsindustrie und dem menschlichen Hang zum Selbstbetrug. „Bin ich schön? “ – eine Frage, die wohl immer Ansichtssache bleibt. In seinem zweiten Text sezierte er das Wortungetüm „Antidiskriminierungsbeauftragte“ Silbe für Silbe – ein Meisterwerk aus Sprachkritik und Kabarett.


Den Abschluss gestaltete Laura Paloma aus Frankfurt. Ihr erster Text tauchte ins nächtliche Stadtleben ein: Schlaflosigkeit, Großstadtlärm und das unfreiwillige Belauschen eines Streits, der in einer liebevollen Umarmung endet. Ihr zweiter Text traf ins Herz: „Es liegt nicht an dir, es liegt nicht an mir, es liegt schon länger zwischen uns“ – eine poetische Betrachtung darüber, wie aus anfänglicher Begeisterung Ghosting wird und wie man am Ende doch eigene Wege geht – mit liebevollem Blick auf die gemeinsame Zeit.


Zum Finale legte Easy Blue noch einmal nach: Mit Gloria Gaynors „I Am What I Am“ und Robbie Williams‘ „Angels“ brachte die Band das Publikum endgültig zum Stehen.

Gerade erst hatten die Zuhörer die Poetinnen und Poeten mit stehenden Ovationen gefeiert, da blieben sie gleich auf den Beinen. Ein Meer aus Mitsingen und Begeisterung krönte einen Abend, der Musik und Poesie gleichermaßen zelebrierte.
T. mbue
B. BZ
