Dina Jetbayeva führt die Malschule Dilsberg in die Zukunft

Es ist ein Mittwochnachmittag in der Grundschule Dilsberg-Mückenloch. Fünf Kinder sitzen um einen großen Tisch, Pinsel klappern in Wassergläsern, Farben mischen sich auf Paletten. Konzentriert bemalen die jungen Künstler ihre modellierten Figuren. Ella und Leo überlegen, welche Farben Seestern und Roboter bekommen sollen. Mittendrin: Dina Jetbayeva.

Sie geht von Platz zu Platz, ermutigt, gibt Tipps und Hilfestellung. Seit Mitte 2025 leitet sie die Malschule Dilsberg und führt damit eine lange Tradition fort.

2009 Gudrun Schilling, Lilli Marks,
2009 Ausstellung in der „Chocolaterie“

Gudrun Schilling und Lilli Marx gründeten die Malschule 1982. Dina Jetbayeva holt ein großes Album aus dem Nebenraum, in dem das Material gelagert wird. Es zeigt Fotos und Zeitungsausschnitte aus der Anfangszeit. Damals entstand mit dem Bau der Grundschule die Idee, Kindern früh Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich daraus ein fester Bestandteil im Nachmittagsangebot der Schule. Ein Ort, an dem die Kinder mit unterschiedlichsten Materialien experimentieren können, begleitet von Kunstpädagoginnen.

2006 Kompaktkurs
2006 Kompaktkurs

Zuletzt prägte Christine Kluge die Malschule, organisierte Ausstellungen im Rathaus Neckargemünd und in Dilsberg. Mit viel Einsatz betreute sie die Gruppen über Jahrzehnte hinweg. Im Sommer 2025 – mit fast 77 Jahren – verabschiedete sie sich in den Ruhestand und konnte die Malschule an Dina Jetbayeva weitergeben.

Für Jetbayeva entstand der Kontakt nach ihrem Umzug nach Dilsberg vor vier Jahren. Freunde ihrer Kinder trafen sich nach der Schule bei ihnen zu Hause, um gemeinsam zu malen. Dabei fiel immer wieder der Name Christine Kluge – und deren Wunsch nach Unterstützung. Aus ersten Hilfen in den Kursen entwickelte sich Vertrauen, aus Vertretungen schließlich die Nachfolge. „Kunst soll für alle Kinder zugänglich sein.“, sagt Dina Jetbayeva. Sie bringt vielfältige Erfahrungen mit: ein Studium der Internationalen Wirtschaft, Arbeit in einer Werbeagentur und ein Leben, das sich stets um Kinder und Ausdrucksformen drehte. 2018 gründete sie in Heidelberg einen Verein zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Zunächst arbeitete sie mit Theatergruppen, später verlagerte sich der Schwerpunkt stärker auf bildende Kunst.

In Dilsberg besuchen rund 30 Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren die fünf Gruppen der Malschule. Mittwochs und donnerstags treffen sie sich dazu am Nachmittag im Kursraum der Grundschule. Mit jedem Bild, jeder Skulptur entsteht für die Kinder mehr als nur ein fertiges Werk: Selbstvertrauen, Ausdruckskraft und Freude am eigenen Gestalten.

Dina Jetbayeva blickt zuversichtlich nach vorn: „Ich bin froh, wenn etwas bleibt“, sagt sie – und meint die gewachsene Struktur der Malschule. Diese möchte sie bewahren und zugleich weiterentwickeln. Sie hat viele Ideen: Perspektivisch denkt sie an Kurse für Erwachsene oder neue handwerkliche Angebote, etwa im Bereich Holz. Ihre Inspirationsquelle, so erzählt sie, ist der italienische Ort Pennabilli. Wie Dilsberg ein Bergdorf, das durch Kunstprojekte geprägt wurde. Für Dilsberg wünscht sie sich eine ähnliche Offenheit: einen Ort, an dem Kreativität wachsen kann – für Kinder und vielleicht bald auch für Erwachsene. So bleibt die Malschule Dilsberg, was sie immer war: ein Raum für Ideen. Und wird zugleich ein Ort, an dem Neues entsteht.

Malschule Bericht 2002

Malschule Dilsberg 2006

Bericht Malschule 2009

T+B. mbue