Dorfentwicklungskonzept vorgestellt

Bericht von der Sitzung des Ortschaftsrates Dilsberg am 9.März 2026 in der Graf-von-Lauffen-Halle

Wegen der Bedeutung des Themas und dem damit erhöhten Interesse der Bevölkerung hatte der Ortsvorsteher in die Graf-von-Lauffen-Halle eingeladen, in der tatsächlich mehr als 50 Bürger und Bürgerinnen erschienen waren. Auch Bürgermister Seidel nahm an der Sitzung teil.

Der stellvertretende Ortsvorsteher Ruf berichtete, dass diese Befragung vom Ortschaftsrat selbst ausgearbeitet wurde. Die Mitglieder des Ortschaftsrates haben dann diese Fragebögen an alle Haushalte Dilsbergs verteilt.

Der Rücklauf, also die per Post bzw. Internet zugegangenenFragebögen waren – gemessen an üblichen Standards für solche Befragungen – außerordentlich hoch: 30 Prozent der angeschriebenen Haushalte haben an der Befragung teilgenommen.

Aus der vom Ortsvorsteher in eineinhalb Stunden vorgetragenen Ergebnissen der Befragung sollen hier die wichtigsten vorgestellt werden:

Bevölkerungsstruktur: Die Zweipersonen-Haushalteüberwiegen. Ein Drittel der Bewohner/innen gehören zur Altersgruppe der 41- bis 65Jäjrigen. Ein Viertel der Bevölkerung ist mehr als. 65 Jahre alt. Fast alle Befragten sind mit dem Wohnort Dilsberg sehr zufrieden oder zufrieden.

Bei der Frage nach dem Dienstleistungsangeboten ergab sich:

Während die Ortsverwaltung weit überwiegend positiv beurteilt wurde, fand nur 1 Prozent der Befragten die Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfes als hinreichend.

Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Dilsberg stellt ein zentrales Anliegen der Bevölkerung dar.

Die Installierung einer zentralen Post- und Packstation fände große Zustimmung, ebenso wie die feste Versorgung mit Lebensmitteln, einen Bankautomaten und mehr Gastronomie. Eine Taktverbesserung im öffentlichen Nahverkehr wirdebenso erwartet wie mehr Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge.

Die Versorgung mit Kindertagesstätten-Plätzen wird zwar überwiegend positiv wahrgenommen. Es besteht aber – ebenso wie für die Grundschule – der Bedarf nach Verlängerung der Betreuungszeiten bis 17 Uhr.

An dieser Stelle goss der Bürgermeister Wasser in den Wein: Er wies darauf hin, dass die verlängerte Betreuungszeit vom Land nicht mehr bezuschusst wird, sodass die Eltern für diese Zeit eine Erhöhung des Betreuungsgeldes von ca 200 Euro auf sich nehmen müssten.

Die aktuelle nachschulische Betreuung in der Grundschule wird überwiegend mit gut bis sehr gut benotet. Beim Schulessen gibt es Abstriche. Der Wunsch nach Ferienbetreuung der Grundschüler/innen wird wiederholt genannt.

Die Arbeit und die Präsentation des Ortschaftsrates wird weit überwiegend positiv wahrgenommen. Für die Ortsverwaltung wird ein weiterer Abendtermin gewünscht.

Mehr als die Hälfte der Befragten benutzen den öffentlichen Nahverkehr und wünschen sich eine klare, möglichst halbstündige Taktung, – gekoppelt an den Takt der S-Bahn – sowie ein erweitertes Angebot von Ruftaxis.

Hier informierte Bürgermeister Seidel, dass die Taktung der S-Bahn nun noch schwieriger geworden sei, weil sie an die Taktung des Stuttgarter Bahnhofes gekoppelt ist. Eine Erweiterung des Ruftaxiangebotes sah er wegen der damit verbundenen erheblichen Kosten als nicht realistisch an. 

Das Bürgermobil wird zwar gutgeheißen und gewünscht. Allerdings gibt es von Dilsberg bisher nur einen Fahrer. Esbedarf dringend mehrerer Fahrer.

Ein ähnliches Ergebnis ergibt sich bei der Fragen nach einem Bürgerbegegnungszentrum. Hier ist das Interesse groß. Einen ehrenamtlichen Einsatz können sich letztendlich aber nur 40 Prozent der Befragten vorstellen.

Bei der Frage nach einer Nachbarschaftshilfe gaben immerhin 20 Bewohner/innen an, dass sie auf eine solche Hilfe angewiesen sind. Für die Zukunft wird ein größerer Bedarf gesehen.

Zu alternativen Energien: Sowohl die Photovoltaikanlagen auf Dächern als auch Freiflächenanlagen fanden mehrheitliche Zustimmung. Allerdings ist die Breitschaft, in letztere zu investieren nicht so groß, dass eine Gemeinschaftsanlagefinanziert werden könnte.

Windenergieanlagen fanden knapp die Hälfte der Bürger/innen wünschenswert.

Die Breitschaft in solche zu investieren ist relativ gering.

Mit Bauen und Wohnen, auch für junge Familien war die überwiegende Mehrheit zufrieden. Es wurden auch genügend Grünflächen zwischen den Gebäuden wahrgenommen. Allerdings besteht der Wunsch nach deren besserer Pflege.

Hier gab Bürgermeister Seidel zu bedenken, dass für die Pflege der Grünflächen der Stadt auch aus Kostengründen nur eine beschränkte Anzahl von Mitarbeitenden zur Verfügung stehen.

Er wies an dieser Stelle auf zwei aktuelle gesetzliche Änderungen hin: 

Zum einen wird bei der Genehmigung von Bauprojektenzukünftig die Entscheidung des Gemeinderates höher gewertet als die des Landratsamtes. Zudem ist das Bauen im Außenbereich nun in bestimmten Fällen gestattet.

Beim Land Baden-Württemberg können im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) auch von Privatpersonen spezielle Förderungen beantragt werden.
Für die Feste bestünde zudem die Möglichkeit, sie unter Gesamtanlagenschutz zu stellen. Dadurch könnten beispielsweise Vorteile bei der steuerlichen Abschreibung entstehen. Der Ortschaftsrat sollte jedoch zunächst die Vor- und Nachteile abwägen.

Die Bevölkerung hält auch die meisten Wohnungen für seniorengerecht, Kann sich mehrheitlich aber auch ein Wohnen in speziellen seniorengerechten Wohnungen vorstellen. Eine Mitfinanzierung solchen Wohnraumes können sich weniger als die Hälfte der Betroffenen vorstellen Diese Werte gelten weitgehen auch für die Frage nach derBereitschaft zu genossenschaftlichem Wohnen

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Schließlich fragte der Ortschaftsrat noch nach den bevorzugten Bestattungsformen. h Urnenbestattungen wurdenErdbestattungen bei weitem vorgezogen. Den Wunsch nach einem Friedwald äußerten 125 von 155 Umfrageteilnehmer/innen.

Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Bürgerumfrage zogOrtsvorsteher Erles Bilanz:

Für Dilsberg erreicht wurde in jüngerer Zeit:

– Carsharings-Fahrzeuge können bei entsprechendemInteresse stationiert werden.

– Ausbau der Infrastruktur für Glasfasertechnik

– Bürgermobil

– Umsetzung seit Jahren geplanter Infrastrukturprojekt

– Umzug der Ortsverwaltung an zentraler Stelle und Erweiterung des Dienstleistungsangebote

– Zusage der DHL zur Aufstellung einer Paketstation in zentraler Lage

– Mehr Haushaltsmittel für Infrastrukturmaßnahmen

– Intensivierung der Zusammenarbeit mit den anderen Ortsteilen und der – Stadtverwaltung

– Temporäre Unterbringung der Abteilungsfeuerwehr auf der Tuchbleiche

– Zusage zu einem zeitweisen Angebot von Backwaren

– Neuanlage an einer Naturrasenbewegungsfläche an der Grundschule

– Zusage zu zentraler E-Ladestation in zentraler Lage

– Zusage zu einer 30km/h-Zone in der Ortsdurchfahrt

Nicht verhindern konnten Ortschaftsrat und Ortsverwaltung

– Schließung der der Bäckereifiliale

– Schließung der Bankfilialen und Entfernung derGeldautomaten

– Abbau des Minispielfeldes an der Grundschule

Als zukünftige Ziele formulierte der Ortsvorsteher:

– Bau eines barrierefreien und/oder altersgerechtenWohnanlage in zentraler Lage

– Schließung von Baulücken und Zuzug junger Familien

– Begradigung von Baulinien, die im Sägezahnprinzip geschaffen wurden um eine vereinfachte Bebauung zu erreichen

– Ausbau des digitalen Angebots der Verwaltung

– Generierung von Bundes- und Landesfördermittel als mögliches Pilotprojekt zur Zukunftsausrichtung für den ländlichen Raum

– Ausweisung von Sanierungsgebieten als steuerlicher Anreiz für Modernisierungsmaßnahmen

– Umsetzung möglicher Maßnahmen aus dem Klimaanpassungskonzept

– Aufbau einer Nachbarschaftshilfe

– Bau einer dauerhaften Unterbringungslösung für die Abteilungswehr Dilsberg, kombiniert mit einem Bürgerbegegnungszentrum und der Ortsverwaltung

– Erweiterung des Bestattungsangebotes um weitereBestattungsformen wie Baum- und Steinbestattung

Abschließend beschloss der Ortschaftsrat einstimmig, die genannten Ziele weiter zu verfolgen und den Ortsvorsteher zu beauftragen entsprechende Gespräche zu führen. Nach der Erstellung eines Gesamtkonzepts soll dieses dann dem Gemeinderat vorgestellt werden.

Abschließend gab es unter „Mitteilungen und Anfragen“ von Ortsvorsteher Erles noch folgende Informationen:

– Der Glasfaserausbau in der Feste beginnt im April. Es ist vorgesehen, die Zufahrt lediglich für einen Tag zu schließen.

– Der Galabauverband hat zu seinem 50jährigen Bestehen einen Baum gespendet. Der oberhalb der Graf-von-Lauffen-Halle gepflanzt wurde und nun mit einer Spendertafel versehen wird.

– Aus dem Förderprogramm „Ländlicher Raum“ können Mittel zur Wohnraummodernisierung abgerufen werden. Näheres kann bei der Ortsverwaltung in Erfahrung gebracht werden

– Die Ortsverwaltungen von Dilsberg und Mückenloch planen für den 14 Juli dieses Jahres ein Spielefest auf dem Dorfplatz in Mückenloch. Das „Spielmobil Kraichgau e.V. wird dazu seinen mobilen Spielplatz aufstellen.

Dilsbergerhof, 11. März 2026​​

​​​gez. Walter Berroth

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