20. Juli 2025

Sommer, Musik und ein volles Gotteshaus – das waren die Zutaten für ein Konzert, das lange nachhallte. Der Dilsberger Frauenchor unter der Leitung von Andrea Stegmann entführte das Publikum am Sonntagabend in der Dilsberger Kirche auf eine musikalische Reise: mal beschwingt, mal berührend, stets mitreißend.


Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, und wer einen Sitz ergatterte, wurde reich belohnt – mit ausdrucksstarken Stimmen, abwechslungsreichen Stilen und spürbarer Freude am gemeinsamen Singen.


Manuela Büch führte mit feinem Gespür und Nachdenklichkeit durch das Programm. Die zentrale Botschaft des Abends: Gemeinschaft. Die des Chors, in dem sich die Frauen seit vielen Jahren begleiten durch die Höhen und Tiefen im Leben.


Und die Gemeinschaft im Hier und Jetzt. In einer Zeit voller Hektik und Termindruck sei es wohltuend, innezuhalten, zuzuhören und sich musikalisch verbinden zu lassen. Genau das taten die Gäste.


Den Auftakt bildeten der Kanon „Come, follow me“ von John Hilton (16. Jh.) und das naturverbundene „Hör die Töne aus dem Wald“ von Gunther Martin Göttsche. Danach sangen Chor und Publikum gemeinsam „Geh aus mein Herz“ – ein Moment der Verbundenheit, der die Atmosphäre sofort öffnete.


Der erste Konzertteil spannte einen Bogen von der eindringlichen Mahnung in „Earth Song“ von Michael Jackson, arrangiert von Lorenz Maierhofer, bis zum augenzwinkernden Swing-Klassiker „Don’t sit under the apple tree“. Till Otto am Klavier begleitete und umwob den temperamentvollen Frauenchor.


Zwischendurch trug Claudia Rittmüller ihr heiter-poetisches Gedicht „Sommerabend – ganz ehrlich“ vor – eine Hommage an die Leichtigkeit des Seins zwischen Glühwürmchen, Grillenzirpen und WLAN-Freiheit.


Mit „The Rose“ – Musik des Norwegers Ola Gjeilo nach einem Text von Christina Rossetti – erreichte der Abend eine besondere emotionale Tiefe: Der Chor formte daraus eine sanfte, fast meditative Klanglandschaft.


„Tango to Evora“ von Loreena McKennitt, das südamerikanische „Un poquito cantas“ sowie das koreanische Volkslied „Arirang“ brachten neue Klangfarben in die Kirche. „Arirang“ und das Broadway-Stück „One hand, one heart“ von Leonard Bernstein widmete der Chor der früheren Chorleiterin Song-Yi Lee – als musikalischen Glückwunsch zu ihrer Hochzeit. Ihr Flug verspätete sich leider, so dass sie die Grüße nicht persönlich in Empfang nehmen konnte.


Der letzte Block riss das Publikum endgültig mit: „Sister Act“ (Hail Holy Queen und I Will Follow Him) sprühte vor Energie, gefolgt von den Klassikern „Lollipop“ (Beverly Ross, Julius Ross) und „Mr. Sandman“ (Pat Ballard) – präzise gesungen, charmant präsentiert. Das Publikum klatschte spontan mit, die Freude hallte durch die Kirche.


Beim Kanon „Abendstille überall“ sangen Chor und Publikum gemeinsam – ein leiser, berührender Moment, der das Thema des Abends noch einmal spürbar machte. „There’s one more song“ von Peter Hammersteen sollte eigentlich der stimmige Ausklang eines besonderen Abends sein.


Doch das Publikum wollte sich nicht so schnell verabschieden: Es klatschte, jubelte – und trommelte schließlich rhythmisch mit den Füßen auf den Boden.

Eine Zugabe? „Un poquito cantas“ reichte da nicht aus. Also kehrte der Chor noch einmal voller Schwung zurück – mit „Sister Act“ als furiosem Finale, das alles mobilisierte, was noch an Energie in den Stimmen steckte. Die Sängerinnen glänzten mit Stimmkraft, Tempo und Präsenz – und rissen das Publikum nochmal mit.


Wer diesen Abend erlebt hat, ging nicht nur mit Musik im Ohr nach Hause – sondern mit einem Gefühl von Nähe, Leichtigkeit und lebendiger Gemeinschaft im Herzen.
Der Förderverein der evangelischen Kirche hielt nach dem Konzert Getränke bereit, Sängerinnen und Gäste ließen den Abend gemeinsam ausklingen.
Kirchenmusikerin Andrea Stegmann gründete den Frauenchor 2004. Sie leitet darüber hinaus auch den Schulchor, mit dem sie regelmäßig Musicals aufführt sowie den Kinderchor „Schmetterlinge“ für die Vorschulkinder.
Till Otto begleitete den Chor bereits bei der „Singenden Altstadt Heidelberg“ und beim traditionellen Weihnachtskonzert, das traditionell am 4. Advent gesungen wird.
T. MarTha/red
B. BZ