Volkstrauertag2020 01
Dilsberger Gedenkfeier zum Volkstrauertag in kleiner Runde
15. November 2020
  
Volkstrauertag2020 02
  
Volkstrauertag2020 03
Keine Blasmusik, kein Chorgesang, keine Abordnung der Feuerwehr zur Kranzniederlegung, das waren die pandemie-bedingten Rahmenbedingungen für die diesjährige Feierstunde zum Volkstrauertag in Dilsberg. Aber auch ohne diesen gewohnten Rahmen konnten die wenigen anwesenden Besucher eine eindrucksvolle Feier erleben.  

Nach der Begrüßung durch Ortsvorsteher Streib hielt Bürger-meister Volk die Gedenkrede.  
    
Die Frage, ob es in den Zeiten der Pandemie wichtig sei, einen solchen Feiertag zu begehen, bejahte er unumwunden: „Unsere Toten von damals mahnen uns, für die Lebenden zu sorgen. Und sie mahnt uns, uns beharrlich gegen Nationalismus, Verfolgung und Ausgrenzung – egal in welchem Land der Welt – das Wort zu erheben.
 
Er gedachte der Opfer der Kriege, waren es Soldaten, Vertriebene, Flüchtlinge, oder auch Opfer der Euthanasie und des Widerstandes. Auf unsere Gegenwart bezogen erinnerte er an die Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen, die im Auslandseinsatz ihr Leben lassen mussten, sowie an die Opfer von Terrorismus  und politischer Verfolgung und schloss daraus: „Gerade uns Deutsche erwächst durch unsere Geschichte eine besondere Aufgabe, Mahner zu sein.“ Diese Mahner-Rolle ergibt sich – so Volk - allein aus unserer Erfahrung, wie aus einem Sog von wirtschaftlichen Nöten und Unzufriedenheit durch populistische Lösungsvorschläge aus einem kulturell hochstehenden Land in kurzer Zeit  ein menschenverachtendes Regime werden kann und rief dazu auf: „Wehret den Anfängen! Erinnert Euch! Was damals passiert ist, kann auch heute wieder geschehen, bei uns und überall in der Welt.“ Er schloss mit den Worten:
„Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“
 
Pastoralreferent Alfred Jordine, der in ökumenischer Gemeinschaft für die beiden Kirchengemeinden sprach, stellte die Verbundenheit mit den Verstorbenen  aus den beiden Weltkriegen in den Mittelpunkt: „In unserem christlichen Glauben sind und bleiben wir verbunden mit unseren Verstorbenen…Miteinander geben wir unseren Verstorbenen ihre Wertschätzung und Würde zurück, die sie im Krieg verloren haben.“
   
Er betonte, dass wir für eine Gemeinschaft und die Verantwortung über den Tod hinaus einzustehen haben und appellierte an alle Menschen: „Wir verbinden uns, wir trennen und polarisieren uns nicht. Da kann Frieden geschehen… Unsere Toten mahnen uns zum Frieden.“ Um das leisten zu können, bedürfen wir des Segens Gottes, den Jordine mit seinem abschließend formulierten Gebet anrief: „Sende deinen Frieden in diese Welt, einen Frieden, den wir selbst nicht zustande bringen. Rüttle das Gewissen aller Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf. Erwecke Frauen und Männer, die sich für Frieden einsetzen und ihn vorleben. Zeige uns allen neue Wege, um den Hass zu besiegen, Wunden zu heilen und die Einheit der einen Menschenfamilie wiederherzustellen. Segne uns durch Deinen Frieden, den die Welt nicht geben kann.“
   
Die drei Redner legten dann die Schleifen, des bereits am Kriegerdenkmal niedergelegten Kranzes zurecht. Dazu senkten sich die Fahnen von Turnerbund, Schützenverein und Kyffhäuserbund.
    
Abschließend dankte Ortsvorsteher Streib allen Beteiligten an dieser Feier und rief die Bevölkerung Dilsbergs dazu auf, die zu Frieden mahnende Worte der Redner nicht nur auf die Welt und unser Land sondern auch auf unseren Ortsteil zu beziehen.
  
Text: Walter Berroth
Bilder: Regina Watzelt
17.11.2020