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Wut,  Ärger und Frust bei der Einwohnerversammlung in Dilsbergerhof
15. März 2019
    
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Die Friedhofskommission des Dilsbergerhofes hatte am Freitag, den 15. März zur Einwohnerversammlung im ehemaligen Gasthof Pflug eingeladen, um der Bevölkerung mitzuteilen, dass sie sich auflösen wird, da die katholische Kirchengemeinde den Friedhof in Dilsbergerhof zum 1. Februar 2019 in Eigenregie übernimmt und  dem Friedhofskomitee jede weitere Tätigkeit untersagt.
   
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Was hat es mit diesem Friedhof auf sich?
Karl Maurer vom Dilsbergerhof hat 1948 seine hinter der Herz-Jesu-Kapelle liegende Wiese der katholischen Kirchengemeinde überlassen, damit dort ein Friedhof für die in Dilsbergerhof wohnende Bevölkerung geschaffen werden konnte. Die Übertragung an die Kirche war deswegen notwendig, weil nur die Kommunen oder die Kirchen Friedhöfe betreiben dürfen.
 
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Gedenkplatte im Fußboden der Kapelle:
"Am Silvestertag 1914 starb in Dilsberg der Hochw. Herr Pfarrer Karl Maurer im 82. Lebensjahr - Gott sei seiner Seele gnädig."
    
Angelegt, gepflegt und verwaltet wurde der Friedhof – seit siebzig Jahren bis Anfang diesen Jahres - durch die Bewohner des Dilsbergerhofes. Verantwortlich dafür war eine vierköpfige Friedhofskommission, darunter der katholische Pfarrer. Allerdings haben die jeweiligen Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Dilsberg in den letzten Jahrzehnten diesen Sitz nicht mehr wahrgenommen. Durch die Selbstverwaltung und die eigene Pflege des Friedhofes, sind die Gebühren für die Gräber natürlich erheblich niedriger als die der Stadt.
 
Mit der Fusion mehrerer katholischer Kirchengemeinden zur Seelsorgeeinheit Neckar-Elsenz kam von Seiten der Kirchen-verwaltung die Frage nach dem Friedhof auf. Die Friedhofs-kommission, derzeit bestehend aus dem Vorsitzenden, Georg Ruhland, der Schriftführerin Brigitte Maurer und der Kassiererin Maria Bellem und noch einigen Beisitzern wurde zum Gespräch mit dem Stiftungsrat der Seelsorgeeinheit und der Kirchen-verwaltung eingeladen.
   
Man diskutierte verschiedene Modelle der Einbindung des Friedhofes, wobei von Seiten der Friedhofskommission klar war, dass das Rechnungswesen zukünftig in anderer Form, also auch letztendlich über die Kirchenverwaltung abgewickelt werden müsste. Von Gespräch zu Gespräch schränkte der Stiftungsrates den Kompetenzbereich der Friedhofskommission immer mehr ein.
  
Am 27. Dezember 2018 ging dann ein Brief beim Vorsitzenden der Friedhofskommission ein, mit dem der Stiftungsrat kategorisch mitteilte, dass ab dem 1. Februar 2019  der Friedhof ausschließlich von der Seelsorgeeinheit betrieben werde.
   
Die Kommission wurde aufgefordert, alle in ihrem Besitz befindlichen Gelder – also auch Spendengelder – unverzüglich der Kirchenverwaltung zu überweisen. Sollte dies nicht geschehen, sei dies eine Unterschlagung kirchlicher Gelder. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass zukünftig die Gebühren für die Grabstätten denen der Stadt Neckargemünd angeglichen würden – also um mehr als 300 Prozent erhöht werden sollen.
 
Nun hat die Friedhofskommission in Absprache mit Pfarrer Endisch, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates zu o.g. Einwohnerversammlung eingeladen. Auf dieser Versammlung wurde dann an Herrn Pfarrer Endisch die Frage gestellt, warum die ganze Friedshofsverwaltung und -pflege an die Kirche gehen soll, wenn es doch nur notwendig ist, die Buchführung zukünftig nach steuerrechtlichen Gesichtspunkten und den Vorschriften des Rechnungswesens der katholischen Kirche zu führen und warum die Grabgebühren so außergewöhnlich steigen sollen.
 
Pfarrer Endisch antwortete, dass inzwischen von Seiten der Kirchenleitung strenge Verwaltungsvorschriften gelten, und daher nur eine Übernahme des Friedhofes durch die Kirchenverwaltung möglich sei. Die Höhe der Gebühren habe nun einmal der Stifungsrat beschlossen.
Nun gingen die Wogen in der Runde hoch. Es fielen Sätze wie:
-       „Sie reden von Weltfrieden und zerstören die Dorfgemeinschaft“.
-       „Es ist auch eine Frage des Stils. Plötzlich werden wir vor vollendeten Tatsachen gestellt“.
-       „Eine seit siebzig Jahren bestehende Initiative wird einfach zerschlagen. Das wird eine Welle auslösen, die noch über sie kommen wird“.
-       „Meine Spende habe ich für den Friedhof gegeben, nicht für die katholische Kirche – ich will mein Geld zurück“.
  
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Danach erklärte Pfr. Endisch spontan, dass er die Frist, ab der die neuen Gebühren erhoben werden sollen – das sollte ab 16.März sein – aufhebe. Die Frist sei damit bis zu einem Gespräch, zu dem der Stiftungsrat zwischen Ostern und Pfingsten einladen werde, ausgesetzt.  
Er betonte, ehrenamtliche Tätigkeit sei nach wie vor im Friedhof möglich, nur die Verwaltung liege eben bei der Kirche, was nicht wenige Anwesende als zynisch empfanden. Schließlich sicherte er zu, die Meinung und die Emotionen der Bürger des Dilsbergerhofes dem Stiftungsrat vorzutragen. Es sei dann durchaus möglich, dass dieser seine bisherigen Beschlüsse ändere.
 
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Der ebenfalls anwesende Ortvorsteher Hoffmann, mit dem der Stiftungsrat noch zusammen mit dem Bürgermeister ein Gespräch zu führen gedenkt, betonte, dass die Gemeinde mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun habe und deshalb bei dem Gespräch auch nicht mit irgendwelchen Ergebnissen zu rechnen sei.
  
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Alle weiteren vorgetragenen Argumente von Georg Ruhland und anderen wurden dann von Pfr. Endisch nicht mehr aufgegriffen. Er verließ die Versammlung, wobei er den Anwesenden für ihr bisheriges Engagement für den Friedhof dankte und ein Weinpräsent hinterließ. Georg Ruhland dankte Herrn Pfr. Endisch, dass er trotz seiner ursprünglichen Absage doch noch gekommen sei.
  
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R.I.P. ist ein Akronym und kommt aus dem Englischen. Es steht für "Rest in Peace", was so viel bedeutet wie "Ruhe in Frieden". ...
Die Abkürzung kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und steht dort für "Requiescat in pace", was ebenfalls mit R.I.P. abgekürzt wird.


Die Versammlung war mit dem offiziellen Teil noch lange nicht zu Ende. Viele Einwohner des Dilsbergerhofes diskutierten unter sich noch weiter. Dabei konnte festgestellt werden, dass keine und keiner der Anwesenden Verständnis für das Verhalten des Stiftungsrates der Seelsorgeeinheit Neckar-Elsenz hatte.
   
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Text: Walter Berroth
Bilder: Burkhard Zantopp/Ingrid Schmitt (Bild 2+3)
20.03.2019