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Und plötzlich war er Bischof in Peru
Reinhold Nann kam zu Besuch auf den Dilsberg – Er berichtet von einem Wandel im Vatikan
18.Februar 2018
 
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Reinhold Nann Bischof der Praelatur von Caraveli (Perú) in Dilsberg
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Hoher Besuch hatte sich angekündigt: Bischof Reinhold Nann war aus Peru angereist, um in St. Bartholomäus ein Pontifikalamt zu zelebrieren. Das klingt wie eine kleine Sensation. Für die Dilsberger Katholiken war es aber eher ein Wiedersehen mit einem guten Freund: 20 Jahre lang betreute Reinhold Nann nämlich als Priester die Andendörfer der Diözese Trujillo – und damit auch die Dilsberger Partnergemeinde Motil.
 
Die RNZ traf ihn nun auf einen Kaffee im gemütlichen Wohnzimmer von Barbara und Wilhelm Berberich auf dem Dilsberg. Denn Nann hat viel zu erzählen. Etwa wie er im August 2017 überraschend zum Bischof der Diözese Caraveli im Süden Perus ernannt wurde. Davon erfuhr Nann nämlich, als er mitten im tropischen Regenwald unterwegs war.
 
Auf eine Kirchenkarriere hat Reinhold Nann nie spekuliert. Im Gegenteil. Den Priester, der am Kaiserstuhl aufgewachsen ist, zog es schon früh zu den Ärmsten der Armen: In die Slums von Lima oder zu den Indigenen in den Anden. „Ich bin ein Allrad-Missionar mit Schlamm an den Schuhen“, lächelt der 57-jährige.
 
Das Freiburger Ordinariat tat sich zunächst schwer mit Reinhold Nanns „Chemie für die einfachen Menschen“. Erst als Erzbischof Saier 1986 die Peru-Partnerschaft ins Leben rief, durfte Nann dort tätig werden, wo sein Herz schlägt. „In Peru“, sagt Reinhold Nann, „ist die Kirche noch nicht so verbeamtet wie in Deutschland, sondern näher dran an den Menschen.“
 
Reinhold Nann ist ein offener, liebenswürdiger und bescheidener Bischof. Er hat eine Menge Charisma und agiert sehr unabhängig. Unter Papst Benedikt wäre ein Priester wie er nie Bischof geworden, glaubt er. Doch Franziskus denke anders. „Der Papst hat die Rückkehr zum Auftrag der Bibel angestoßen“, so Nann. „Die Armen und die Seelsorger, die an die gesellschaftlichen Ränder gehen, stehen plötzlich im Zentrum der Kirche.“ Deutlich spürbar geworden sei dieser Wandel beim alljährlichen Treffen der neu geweihten Bischöfe in Rom. „Da war kein einziger Kirchenmanager mehr darunter: Alle waren Praktiker wie ich, der aus der ärmsten Ecke Perus kommt.“
  
Bischof Rainaldo, wie ihn die Peruaner nennen, trägt einen Bischofsring aus schlichtem schwarzen Kokosholz. Er ist ein Andenken an seine fünf Monate im peruanischen Regenwald, wo noch rund 200 indigene Stämme ohne Kontakt zur Außenwelt leben. Hier im Urwald wollte Reinhold Nann eigentlich künftig als Priester wirken. Doch dann kam der Anruf aus Rom, die Weihe und der Umzug in die Hochanden.
 
Die Stadt Caraveli liegt 1700 Meter hoch, umgeben von 5000 Meter hohen Gletschern. Das ganze Jahr über ist es tagsüber trocken und warm. Nachts kühlt es ab. Nanns Bistum ist etwa so groß wie Baden-Württemberg. Dort leben aber nur 150 000 Menschen. Die 22 Pfarreien werden von 15 Priestern betreut. Bis zum äußersten Rand seiner Diözese fährt Reinhold Nann zwölf Stunden mit dem Geländewagen. Solche Entfernungen lassen wenig Zeit für Schreibtischarbeit. „Ich habe die schlankeste Verwaltung der Welt“, lacht der Andenbischof. „Mein einziger Angestellter ist Sekretär und Fahrer in einer Person; mein Büro ist ein Zimmer zur Untermiete im Pfarrzentrum.“
 
Vier Jahre habe Rom gesucht, um einen Bischof für Caraveli zu finden, erzählt Nann. Alle hätten abgewunken. Nur er nicht. „In den abgelegensten Orten, dort wo keiner hin will, fühle ich mich am wohlsten.“

Text: RNZ Diana Deutsch
Erschienen RNZ Region Heidelberg 21. Februar 2018
Bilder: kath. Kirche Dilsberg
Weitere Informationen unter http://www.deutsch-blog.de/

 
Rundbrief 28 zum downloaden
 
Kaffee im gemütlichen Wohnzimmer von Barbara und Wilhelm Berberich
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