Petition01

Petition für Straßenausbau abgelehnt
Rüdiger Ruf beantragte den Ausbau der Kreisstraße 4200 und eine Ortsumgehung für Rainbach

 
"Die Verkehrsschau hat ergeben, dass das Unfallgeschehen als unauffällig, das Verkehrsaufkommen als unterdurchschnittlich und der Busverkehr als problemlos zu erachten ist. Daher sind grundsätzlich keine baulichen oder verkehrsrechtlichen Maßnahmen, zum Beispiel Geschwindigkeitsbeschränkungen, erforderlich." Als Rüdiger Ruf das gelesen hat, dachte er nur: "Ich glaub’ mich trifft der Schlag." Es ist die Antwort auf die Petition, die der Dilsberger beim baden-württembergischen Landtag eingereicht hat. Darin werden sowohl der Ausbau der schmalen Kreisstraße 4200 auf etwa 600 Meter Länge zwischen Dilsbergerhof und dem Dilsberger Ortsteil Neuhof als auch eine Ortsumgehung für den Ortsteil Rainbach im weiteren Verlauf der Straße für nicht notwendig erachtet. Der pensionierte Verkehrspolizist und Ortschaftsrat will jedoch weiterkämpfen - auch wenn allmählich sämtliche Mittel ausgeschöpft sind.

   
Petition02 Der Kampf des 64-Jährigen für die beiden Vorhaben hat eigentlich bereits in den 1970er Jahren begonnen. Ruf setzte sich damals schon als Mitglied im SPD-Ortsverein für eine Ortsumgehung für Rainbach ein, die den lärmgeplagten Anwohnern zugute kommen sollte. Doch sämtliche Bemühungen für eine Nordumgehung durch das angrenzende Landschaftsschutzgebiet scheiterten. Als Übergangslösung wurde damals eine Ampel vorgeschlagen, um zu verhindern, dass sich in der schmalen Ortsdurchfahrt von Rainbach zwei Fahrzeuge begegnen. Die Ampelanlage steht noch heute. Und sie reicht aus Sicht des Petitionsausschusses "völlig aus" und funktioniere "problemlos".
 
Seit 2011 kämpft Rüdiger Ruf verstärkt auch für den Ausbau der Kreisstraße zwischen der Einmündung der Straße Am Blumenstrich im Ortsteil Neuhof und dem Dilsbergerhof samt Geh- und Radweg. Dieser Abschnitt ist etwa 600 Meter lang und an der schmalsten Stelle ist die Straße laut Ruf nur 4,59 Meter breit - gemessen von den Innenkanten der beiden äußeren Fahrbahnlinien - und nicht mindestens fünf Meter, wie es in der Antwort des Petitionsausschusses steht. Die durchgezogenen Linien dürfen nämlich grundsätzlich nicht überfahren werden, erklärt der Polizeihauptkommissar im Ruhestand. Dass sie dies aber zwangsläufig werden, ergibt sich von selbst. Denn Autos seien heute bis zu 2,20 Meter und Busse bis zu 2,60 Meter breit.
Kein Wunder, dass auch Schwerlaster - für die ist die K 4200 die einzig sichere Strecke nach Dilsberg und Mückenloch - auf den aus Kunststoffgittern und Beton bestehenden Seitenstreifen ausweichen müssen.
   
Der Petitionsausschuss hält die Straßenbreite für bis zu 3000 Fahrzeuge täglich, wie es hier der Fall ist, für ausreichend. Und auch für die laut Ruf rund 800 Busse, die pro Woche auf der Strecke fahren. Hinzu komme, dass der Streckenverlauf "gerade und übersichtlich" sei. Bei der Forderung nach einem Geh- und Radweg wird auf den parallel verlaufenden Alten Hofweg verwiesen. Dieser werde zwar auch von Bussen als Wendeschleife genutzt, doch die gemeinsame Nutzung sei "als akzeptabel und gefahrlos einzustufen".

Eigentlich müsse hier das Verkehrsschild für eine verengte Fahrbahn stehen, so der Dilsberger. "Jeder kann sich vorstellen, wie viel Platz dort bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 noch vorhanden ist", meint Ruf. "Diese Höchstgeschwindigkeit ist nach meinem Dafürhalten unverantwortlich." Um der Sicherheit im Straßenverkehr "einigermaßen gerecht zu werden", müsse das Tempo auf 70 oder - noch besser - 50 Kilometer pro Stunde reduziert werden. Ruf fragt: "Warum geschieht das nicht? Das ist ein Unding!"

Bereits genehmigte Pläne für einen Ausbau habe es bereits Ende der 70er Jahre gegeben. Doch diese seien endgültig in den Schubladen verschwunden, als die damalige Landesstraße 616 im Vorfeld des Baus des über 50 Millionen Euro teuren Hollmuth-Tunnels in den 90er Jahren zu einer Kreisstraße herabgestuft wurde, mutmaßt der Dilsberger. Statt den Straßenabschnitt einmal richtig auszubauen, werde immer wieder Geld für "kosmetische Lösungen" verschwendet. So sei vor einigen Jahren auf den alten maroden Unterbau eine neue Asphaltdecke aufgebracht worden und die Straßenränder seien mit Kunststoffgittern und "Unmengen von Beton" wieder einigermaßen befahrbar gemacht worden. Was Rüdiger Ruf ebenfalls ärgert: Eigentlich sollte es eine Begehung der Straße mit ihm geben, bevor der Petitionsausschuss entscheidet. Doch diese Begehung habe nie stattgefunden.
    
Rüdiger Ruf ist Realist und weiß, dass es so schnell keine Umgehungsstraße für Rainbach geben wird. Deshalb schlägt er stattdessen einen fest installierten Blitzer vor, um wenigstens die ständige Raserei einzudämmen, was jedoch ebenfalls schon mehrfach abgelehnt worden sei. Für den Abschnitt zwischen dem Dilsbergerhof und Neuhof erwartet Ruf, dass zumindest das Tempolimit gesenkt wird und der Ausbau ins Auge gefasst wird.
    
Text: Christoph Moll RNZ
Bild 1: privat
Bild 2: bz
04.09.2017