Burg Dilsberg
Brief aus "Stahnsdorf" (bei Berlin) an den Ortsvorsteher Ortschaftsrat
Montagsschließung der Burg Dilsberg
18. Juli 2017
Dilsbergwappen115x80 Gemeinde Dilsberg
Herrn Bernhard Hoffmann Ortsvorsteher
Burghofweg 1
69151 Neckargemünd-Dilsberg

    
Sehr geehrter Herr Hoffmann,
sehr geehrte Damen und Herren,

vor einigen Wochen hatte ich das seltene Vergnügen, Urlaub machen zu können. Es war nicht irgendein Urlaub - nicht etwa Mauritius, Haiti oder Papua Neuguinea. Gottchen, das kann jeder. Nein, ich wollte auf den Dilsberg. Stellen Sie sich das vor: Da plant man seit Jahren mal wieder ganz für sich allein einen Erholungsurlaub, reist aus Berlin an, und das ganz oben auf der Prioritätenliste stehende Ziel lautet Dilsberg samt Burgruine und sagenumwobenem Brunnen.
 

Dumm gedacht: Ich hatte nur einen Tag für Dilsberg eingeplant, nicht ahnend, dass ich mich beim Besuch einer Ruine überhaupt auf Öffnungszeiten hätte einstellen sollen und dann auch noch auf die ärgerliche Montagsschließung, die ich hier wirklich nicht vermutet hätte. Dieses Übel, Museen (und nun auch Burgruinen) immer montags geschlossen halten zu müssen, fand ich schon immer etwas banausenhaft. Aber gut: Berlin ist halt eine Bettlerin, und schließlich müssen hier Nofretete-Büsten und Picassos sehr, sehr gut bewacht und ständig beaufsichtigt werden. Viele Berliner Museen strecken sich jetzt übrigens und öffnen täglich, wie es sich gehört, wenn Leute aus Iowa oder Tokio anreisen.
 

Aber zurück zu Ihrem entzückenden Dilsberg: Ich traf in Neckargemünd zwei lustige junge Amerikanerinnen, die selbstverständlich auf dem "lovely Dilsberg" waren. Sie hatten nämlich - genau wie ich - ihren Landsmann Mark Twain gelesen und wollten den schönen Rhein-Neckar-Kreis abtasten, der ihnen stellenweise vorkommen muss wie Disney World, nur noch viel, viel schöner. Gut, dass das Schicksal sie an einem Donnerstag auf die Burg geführt hatte.
 
Baden Württemberg ist doch kein armer Teufel wie Berlin! Viel netter ist es auch - nicht nur landschaftlich, auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen in Ihrer Gegend ist umwerfend. Ein Mann auf seinem Mofa hätte sich beinahe von einem Lieferwagen überfahren lassen, nur, um mir den Weg zurück nach Neckargemünd ausführlich zu beschreiben. Die Apothekerin gab mir mit Blick auf meinen großen Rucksack umsonst Sonnencremeproben mit, weil ich nur ganz wenig brauchte. Kellnerin Isabelle im „Schiff“ erkannte sofort meine abendliche Einsamkeit über Block und Bleistift und setzte sich gut gelaunt zu mir – natürlich flankiert von zwei Likören aufs Haus. Herrlich! Urlaub! Morgen ruft der Dilsberg! Und dann das …
  
Kann man diese kleine Burg nicht für kleines Geld auch montags offen halten? Nehmen Sie doch 4 € Eintritt - kein Mensch, der da oben angekommen ist, wird sich darüber aufregen. Ich stand am Gitter wie einst Gerhard Schröder und rief enttäuscht: "Ich will da rein!" Warum hat man ausgerechnet den da rein gelassen, wo er rein wollte, und mich nicht, und das nur, weil ich einen verfluchten Montag erwischt hatte! Ehrlich, wäre es der 1. April gewesen, ich wäre mir vorgekommen wie ein Abrilakaschbr. (Aber der 1. April ist erst wieder 2019 ein Montag.) So dachte ich einfach nur kopfschüttelnd: "Spießer …“ Boppo und Konsorten und natürlich all die Montagswanderer gäben mir Recht.
 
Sie haben es wunderschön da unten und dürfen sich ein sehr freundliches und großherziges Volk nennen. Ich empfehle Sie weiter und komme gerne wieder (und zwar auf einen Montag). Erhalten Sie dieses Gesamtbild! Tun Sie es nicht als Petitesse ab, Ihre Kleinode bei schönstem Wanderwetter einfach zu verschließen. Und: Unterschätzen Sie nicht den Wert und die Kraft, die die Literatur, die Reiseberichte in den Zeitungen und ganz gewiss der große Mark Twain immer noch haben und Mundpropaganda immerfort besitzen wird.

Es kommt trotzdem gerne wieder und grüßt Sie herzlich aus dem schnoddrigen, platten Berlin:
   
Ihre Anna-Maria Prinz
Stahnsdorf, 18. Juli 2017

Kommentare  

# MontagMüller Toni 2017-08-27 19:22
Da hat die Dame aber Glück gehabt das sie nicht auch noch zum Friseur wollte.Der hat nämlich Montags auch zu.Trotzdem verstehe ich ihren Unmut.
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