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Volkstrauertag 2016 – Ehrenmal Dilsberg
13. November 2016
   
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Die diesjährige Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Dilsberg lief wieder ganz traditionell ab. Bei herrlichem Herbstwetter versammelten sich einige Dilsberger Bürgerinnen und Bürger am Ehrenmal am Aufgang zur Burg Dilsberg, um an diesem Vormittag der Toten und Verwundeten nicht nur der beiden Weltkriege zu gedenken.  
 
Mit einem getragenen Musikstück eröffneten die Musiker der Musikverein-Trachtenkapelle Dilsberg die Feierstunde.  
 
Zu Beginn seiner Ansprache dankte Ortsvorsteher Hoffmann den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern, dass sie gekommen sind und stellte fest, dass auch das ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement sei, das nicht hoch genug geschätzt werden könne.  
 
Der Volkstrauertag soll nicht nur den Kriegstoten, sondern auch all jenen gewidmet sein, deren Angehörige, Freunde oder Bekannte eines nicht natürlichen Todes gestorben sind, sondern durch Gewalt und Krieg besonders durch von Menschen angezettelte Kriegswirren sinnlos ihr Leben lassen mussten. Und der Irrsinn geht immer so weiter, wie wir dies jeden Tag in den Medien immer wieder hautnah vor Augen geführt bekommen.  
 
Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur lägen lange zurück, aber ihre Schatten reichten bis in unsere heutige Zeit hinein. Das haben viele Mitmenschen schon selbst in der eigenen Familie erlebt. Und nicht nur die Soldaten hier aus Dilsberg, die nicht mehr vom Schlachtfeld zurück gekehrt sind. Nein, auch an die Opfer der NS-Euthanasie muss man denken, die durch skrupellose Menschen zu Tode gekommen sind. Diese Seite der Geschichte wird auch in Neckargemünd durch einen Arbeitskreis aufgearbeitet. Dieser hat erforscht, dass allein 35 Opfer aus Neckargemünd stammen. Auch 3 Bürger von Dilsberg waren dabei, die von eiskalten Menschen als „nicht lebenswert“ betrachtet wurden und auf unterschiedliche Weise zu Tode kamen. Auch deren wollen wir heute gedenken.  
 
Das Schreckgespenst des gewaltsamen Todes ist allgegenwärtig, auch hier in unserer Gemeinde durch die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Kriegsgebieten. Der Frieden ist noch in weiter Ferne.

Die meisten Konflikte und Gewaltausbrüche unserer Zeit tragen sich in Ländern und Regionen zu, die weit entfernt von uns liegen. Doch gehen sie uns deshalb nichts an? Es ist allein ein Gebot der Mitmenschlichkeit, nicht wegzuschauen. Aber es ist auch ein Gebot der Vernunft, zu versuchen, Krisen einzudämmen, denn Konflikte greifen oft blitzschnell über ihren Ursprungsort hinaus um sich. Und da muss sich unsere heutige Gesellschaft auch der Tatsache stellen, die verletzt und traumatisiert rückkehrenden Soldaten, entsprechend zu unterstützen, was aber oftmals vernachlässigt wird.  
 
Auch dass Freiheit und Demokratie nicht von alleine entstehen, sondern dass es Menschen braucht, die sie erkämpfen, schützen und stärken müssen, stellte Hoffmann fest und mahnte, dass wir uns auch heute der Verantwortung stellen, mit allen verfügbaren Kräften, eine friedliche Welt zu erhalten.  
 
Nach einem Liedvortrag der Chorgemeinschaft Sängerbund und Kath. Kirchenchor Dilsberg sprach Pfarrerin Dr. Sabine Bayreuther von der Evang. Kirchengemeinde die geistlichen Worte.   
 
Sie stellte fest, dass Religionen auch ihren Beitrag dazu geleistet hätten, dass Kriege geschürt wurden, auch wenn der eigentliche Grund für den Krieg nie die Religion ist, sondern die Macht. Die Probleme rund um Macht und Neid kennt bereits die Bibel und so ist sie auch voll von Geschichten über Krieg und Kämpfe, Streit und Totschlag. Und zugleich ist die Bibel klar in der Formulierung dessen, wie das Zusammenleben von uns Menschen aussehen soll: Du sollst nicht töten und Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
 
Sie fragt allerdings auch: Was treibt uns Menschen immer wieder an, uns das Leben gegenseitig schwer zu machen, so schwer, dass wir es uns im Extremfall nehmen, im Krieg, bei Terroranschlägen oder bei Gewaltverbrechen? Und das, obwohl nicht nur hier die Bibel eindeutig ist, sondern auch die anderen Religionen das Tötungsverbot kennen. Sie rufen zum Frieden auf.
 
Hier sähe sie einen Auftrag an uns: Wir sollen protestieren und uns den Parolen der Ausgrenzung widersetzen, wir sollen den abwertenden Erzählungen über „die Muslime“ oder „die Flüchtlinge“ widersprechen.
 
In jedem Menschen, egal welcher Hautfarbe, welcher Religionszugehörigkeit, welcher Nationalität, egal ob behindert oder gesund – in jedem Menschen müssen wir ein Ebenbild Gottes sehen, einen Mitmenschen, einen Bruder, eine Schwester.
 
Aus dieser Haltung heraus könne es uns leichter gelingen, dass wir es nicht zulassen, dass Menschen zu Menschen zweiter Klasse oder gar zu Feinden herabgewürdigt werden. Wenn wir widersprechen, gehen wir erste wichtige Schritte auf dem Weg des Friedens.  
 
Pfarrerin Bayreuther schloss mit dem Friedensgebet von Franz von Assisi. „O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst“.
 
Nun sang noch einmal die Chorgemeinschaft und die Trachtenkapelle brachte ein Musikstück zu Gehör, wonach Ortsvorsteher Hoffmann das offizielle Totengedenken sprach, das auch von Bundespräsident Gauck bei der offiziellen Feierstunde zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag vorgetragen wurde. Anschließend legte der Ortsvorsteher als äußeres Zeichen der Wertschätzung der Verstorbenen, unterstützt von zwei Feuerwehrkameraden der Abtl. Dilsberg, einen Kranz am Ehrenmal nieder. Dazu erklang vom Musikverein das Lied: „Ich hatt‘ einen Kameraden“.  
 
Zum Abschluss dankte Hoffmann allen Besuchern, dem Musikverein Trachtenkapelle, dem Sängerbund und dem Kath. Kirchenchor Dilsberg sowie Frau Pfarrerin Bayreuther für ihre Grußworte sowie der Feuerwehr Abtl. Dilsberg und den Abordnungen der Vereine, wobei der Schützenverein, der Turnerbund und Kyffhäuserbund bei der Kranzniederlegung die Vereinsfahnen senkten. Dass auch die Pflege des Gedenkens an Opfer der Kriege in Dilsberg eine hohe Priorität hat, wurde dadurch deutlich, dass Hoffmann darauf hingewiesen hat, dass die Beschriftungen der Namen am Ehrenmal in diesem Jahr neu renoviert wurden, nachdem auf Antrag von Angehörigen auch noch zwei neue Namen von gefallenen Soldaten eingetragen wurden.  
 
Mit dem Dank für eine Spende für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und der Bitte, mit allen persönlichen Kräften dazu beizutragen, Frieden und gegenseitiges Vertrauen auch in unserer Gemeinde weiterhin zu erhalten, mahnte Hoffmann, denn jedes Feuer beginne immer mit einem kleinen harmlosen Streichholz und damit würden Anfänge gelegt, die dann in Gewalt und Tod enden. Und mit dem Appell: Sorgen wir dafür, dass dieses Streichholz auch in unserer Dorfgemeinschaft nie angezündet wird, schloss Hoffmann die Feierstunde zum Volkstrauertag in Dilsberg.  
 
Text: Bernhard Hoffmann/Dr. Sabine Bayreuther
Fotos: Rupert Dworschak
19.11.2016
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