Hermasns Lesung01
Dichterlesung auf dem Dilsberg
Ungewöhnliches Geschenk für einen ungewöhnlichen Mann
8. Oktober 2016

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Es war eingeladen zum Thema „Gelungene Integration, vor 60 Jahren von Belgien nach Dilsberg gekommen“. Die Kinder und Enkel von Frans Hermans hatten ihm in diesem Jubiläumsjahr die Organisation einer „Dichterlesung“ geschenkt, in der er allerdings seine eigenen Gedichte vortragen sollte.
 
Die Tuchbleichenhalle war gut gefüllt als Tochter Lieveke die Besucher begrüßte und der Ortvorsteher Bernhard Hoffmann den Abend mit einer Laudatio auf Frans Hermans einleitete, denn Hermans ist für Dilsberg in erster Linie Heimatforscher, der anfangs zusammen mit dem früheren Ortsvorsteher Stefan Wiltschko einige kleine Bücher veröffentlichte über das früher doch sehr mühsame Leben in diesem Dorf auf dem Berg. Die erste Veröffentlichung war über die Wassernot in Dilsberg, die jüngste der Brand vor über 200 Jahren, den ein Neckargemünder Bürger zuerst entdeckte. Das alles, obwohl Frans Hermans vor 60 Jahren noch kein Wort Deutsch konnte. Außerdem ist er speziell bei Kindern und Jugendlichen ein gefragter Erzähler bei den Nachtwächter-Führungen. Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann findet, dass dies ein Paradebeispiel gelungener Integration ist. Als Geschenk der Gemeinde überreichte er eine Dokumentation mit Auszügen aus 92 Einträgen im Internet, die sich mit Frans Hermans beschäftigen und ein selbst gemaltes Bild von der Jugendherberge Dilsberg, in der das Dilsberger Leben des Frans Hermans 1956 begann als er dort seine Frau kennenlernte.
 
Nun erzählte Hermans selbst über die schwere Aufgabe, Deutsch zu lernen. Die Küche war sein „Lernbüro“, in dem ihm seine Frau während des Kochens einzelne Begriffe beibrachte. Davon handelt dann auch das erste Gedicht. Das Dichten und Schreiben ist sein Steckenpferd oder wie es heute heißt, sein Hobby und er hatte damit auch schon in Belgien angefangen. Er war seit 1958 Schriftsetzer beim Tageblatt in Heidelberg. 1966 wurde sein erstes Kindergedicht über den Gartenzwerg in einer Kinderzeitung veröffentlicht, später ein Schülergedicht, in dem der Schüler von der Note 1 träumt.
 
Anhand seiner Gedichte möchte er sein Leben dokumentieren. Das fängt mit den eigenen Kindern an, die er zur Schule durch den Wald zur Neckarschleuse begleitete und dabei über die Eiche an der Schleuse und den Blätterteppich dichtete.
 
Zwei Musiker am elektrischen Klavier und am Cello, spielten zwischendurch einige Stücke frei interpretierte Filmmusik, so dass man über das vorher gehörte Gedicht noch einmal nachdenken konnte.
 
Eine Reise nach Venedig und später andere Reisen nach Italien haben ihn sehr beeindruckt, was u.a. in Gedichten über alte Olivenbäume in Apulien und Mallorca Ausdruck fand. Da er sich sehr mit der Geschichte der Burg Dilsberg befasste, gibt es viele Gedichte über Heimat, Friedhof, Nachbarn und Thilos Burg, von dem er meint, dass das der Ursprung des Namens Dilsberg ist.
 
In „Nachtwächters Runde“ geht es um den Schwur der Nacht-wächter, die Bürger zu schützen. Ein Blick vom Balkon seiner Lebensgefährtin auf den Dilsberg hat ihn zu einem Maiengedicht inspiriert, in dem er den Ort als Edelstein sieht.

Nach einer Pause, in der die Enkel eine kleine Bewirtung anboten, ging es weiter um persönliche Gefühle und Liebe sowohl an Natur, Jahreszeiten, seine Arbeitsstätte Heidelberg und natürlich an seine sechs Kinder und seine verstorbene Frau.
 
Der letzte Teil wurde etwas traurig, denn es ging um den Abschied vom Leben, Gedanken an die Eltern und Ahnen. Einige Gedichte wurden auch veröffentlicht, und ein besonders gefühlvolles Gedicht ließ einen gerade verwitweten Mann anfragen, ob er es für die Traueranzeige benutzen dürfte. Das hat Frans Hermans sehr berührt.
 
Am Schluss trug er noch ein kurzes flämisches Gedicht vor, denn seine Heimatsprache hat er nicht verlernt.

Das Publikum war beeindruckt von der Vielfalt seiner Themen und klatschte begeistert Beifall. Anschließend war noch Zeit, sich mit dem Dichter und seinen Kindern zu unterhalten, denn sie wohnen alle nicht mehr in Dilsberg. Es fanden sich aber noch viele Bekannte, mit denen man über „Früher“ quatschen konnte.

Text: Annegret Boehner
Bilder: bz
© www.dilsberg.de   13.10.2016
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 Eine kleine Kostprobe
Der bei www.dilsberg.de eingereichte Bericht wurde unverändert veröffentlicht. Für den Inhalt im Sinne des Pressegesetzes von Baden-Württemberg (§1 - §26) ist der Autor verantwortlich.