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Ohlhauser,Rainer 2015
Rainer Ohlhauser - eine Fußballlegende aus Dilsberg
Ein Koffer voller Erinnerungen belegt erfolgreiche Karriere
 
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Nicht nur Fußballexperten geraten ins Schwärmen, wenn der Name Rainer Ohlhauser fällt. Ein Dilsberger, den das runde Leder nie losließ, ein erfolgreicher Torschütze der auszog, das Abenteuer wagte und den Sprung vom Heimatverein über den SV Sandhausen zum FC Bayern München schaffte. „Ich habe gemacht, was ich für richtig hielt, wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich zurückgekommen.“ Der Fußball prägte sein Leben mit allem drum und dran, doch seine Bodenständigkeit und Verbundenheit mit dem Dilsberg verlor er nie.

Schulklasse Seine sportliche Karriere begann er beim Turnerbund Dilsberg, wo er auf der Tuchbleiche leichtathletische Disziplinen trainierte und als Neunjähriger nordbadischer Jugendmeister im 100 Meter Sprint sowie Weitsprung wurde. Doch schon auf dem Turnplatz weckte das Fußballspiel sein Interesse. Sein Talent für den Ballsport kristallisierte sich schnell heraus und so spielte er mit 13 Jahren bereits in der 2. Mannschaft beim FC Dilsberg. Mit 16 erhielt er eine Sondergenehmigung für zwei Spiele in der ersten Mannschaft und ein Jahr später eine unbegrenzte Spielerlaubnis. Im Jahr darauf fuhr er mit dem Fahrrad nach Bammental, wo bereits ein intensiver Spielbetrieb stattfand. Hier wollte er gerne mitspielen, wurde jedoch nicht genommen, weshalb er zunächst auf dem Berg blieb.
 
 
Klassenfoto von Rainer Ohlhauser (roter Pfeil) aus der Grundschulzeit mit Lehrer Küpper
In Heidelberg lernte er den Beruf des Stahlbauschlossers und nutzte die Mittagspause zum Kicken. 1960 war er stolzer Besitzer eines Rollers mit dem er nach der Arbeit zum SV Sandhausen fuhr, sich vorstellte und zum damals abstiegsgefährdeten Verein in der 1. Amateurliga Nordbaden wechselte. Er managte sich selbst und machte alles allein. „Ich ging zum schlechtesten Verein, da hatte ich wenigstens eine Chance zu spielen.“, erklärte er heute seinen Sprung in die dritthöchste deutsche Spielklasse. Und wie er spielte! Laufen und Ausdauer, das waren seine Stärken. Gemeinsam mit drei weiteren jungen Spielern mischte er die Liga auf und wurde Torschützenkönig. Am Ende der Saison feierten sie die Meisterschaft und Edmund Sterzenbach trug ihn auf seinen Schultern durch den Ort. „Das war ein unvergesslicher Moment. Wir waren eine super Truppe.“, berichtet Ohlhauser noch heute bewegt und bezeichnet Sandhausen als eine wichtige Station in seiner Karriere.
 
Sandhausens Trainer hatte Kontakt zum Trainer von Dortmund und Pirmasens, Helmut Schneider. Er sollte in der drauffolgenden Saison den FC Bayern trainieren und war auf der Suche nach begabten Spielern. An Weihnachten stand fest, dass Rainer Ohlhauser als Vertrags-spieler mit von der Partie sein würde. Damals gewiss ein Abenteuer, doch als Zwanzig-jähriger überlegte er nicht lange. Auch wenn einige dachten, in vier Wochen würde er wieder da stehen, er ging auch in München seinen Weg. Nach wie vor berufstätig, war er ab sofort
Trainer Muenchen100
Branko Zebec und Rainer Ohlhauser
als Trainergespann in Dortmund
Rainer Ohlhauser (2.v.l.) gehörte zum jüngsten und erfolgreichsten Sturm der Bayern in der Regionalliga Süd,
dem legendären 100er-Sturm, mit Trainer „Tschik“ Cajkovski.
Doppelverdiener und erhielt als Fußballer ein monatliches Grundgehalt von 160 D-Mark, plus 10 D-Mark pro Einsatz sowie 50 D-Mark für ein gewonnenes Spiel. Im Vergleich zu heute nicht viel und dennoch ist er überzeugt: „Ich weiß nicht, ob die heute glücklicher sind, auch wenn sie mehr Geld verdienen.“

 
MeisterMuenchen MeisterMuenchen2 Muenchen01
 
Autogrammkarte94 Unvergessen sind seine Jahre beim FC Bayern, zunächst in der Oberliga und Regionalliga Süd und ab 1965 in der Bundesliga. Hier erzielte er als Mittelfeldspieler in 160 Ligaspielen 64 Tore und sammelte mit seinem Verein Titel in Serie. Den Uznamen „Oki“ verdankt er Trainer Zlatko "Tschik" Cajkovski, der seinen korrekten Namen nicht aussprechen konnte. Mit Spielerpersönlichkeiten wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller oder Werner Olk feierte er den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, wurde dreimal Deutscher Pokalsieger und holte 1967 gegen Glasgow Ranchers den Europapokal der Pokalsieger. Der Dilsberg entwickelte sich zu einem Bayern-Fanclub und war stolz, denn einer von ihnen war auf dem Feld aktiv mit dabei. Am 18. Dezember 1968 spielte Ohlhauser in Santiago de Chile gegen Chile in der Nationalmannschaft. 1970 folgten fünf Jahre bei Grasshopper Zürich und zwei Stationen als Spielertrainer. Für seine herausragenden Erfolge wurde er 1967 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet, der höchsten staatlichen Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen.



Autogrammkarte von 1994

   
OhlhauserBurg1996
Gasthaus Burg Dilsberg 1976
Trotz aller Erfolge blieb die Heimatverbundenheit von Rainer Ohlhauser und er wusste immer, „hierher komme ich mal zurück“. Nach verschiedenen Trainerstationen, u.a. als Assistenztrainer beim Hamburger SV und Borussia Dortmund, gab er mit 45 Jahren den Trainerjob auf, „Ich wollte nicht den Sauhund spielen, sondern einen Schlussstrich ziehen und etwas anderes machen.“ Dafür hatte er vorgeplant und 1980 eine Lottofiliale mit Reinigung in Dilsberg aufgebaut. Als er im Mai 1985 mit seinem Koffer endgültig in seine Heimat zurückkehrte, baute er zusammen mit zwei Geschwistern in der Neuhofer Straße ein Haus und führte das Lotto-Geschäft.
Fortan verstärkte er die AH von Dilsberg, Sandhausen und beim HSV. Bis heute verbindet ihn eine tolle Kameradschaft zu den ehemaligen Spielerkollegen. Begeistert berichtet er von mehreren gemeinsamen Reisen, beispielweise 1990 mit den Bayern nach Amerika oder mit den Hamburgern nach Neuseeland, Fidschi und Hawaii. Frühere Bayernspieler wie Gerd Müller trifft er bei Spielen in Sandhausen oder in München auf der Geburtstagsfeier von Franz Beckenbauer.
  
70 Geburtstag 01 70 Geburtstag 02
An seinem eigenen 70. Geburtstag am 6. Januar 2011 schaute Bürgermeister Horst Althoff zusammen mit Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann beim berühmtesten Bürger Dilsbergs vorbei und bescheinigten ihm: „Der beste Sportler, den Dilsberg hatte.“ Bis heute verbindet Rainer Ohlhauser mit dem SV Sandhausen eine besondere Beziehung und so ließen es sich Ehrenpräsident Erich Balles und Günter Reinhard nicht nehmen und überbrachten persönlich ihre besten Wünsche. Klar, dass auch sein Heimatverein der 1. FC Dilsberg seinen berühmten Spieler nicht vergessen hatte und so zählte auch der erste Vorsitzende Arno Bernauer zu den Gratulanten.
 
70 Geburtstag 03 70 Geburtstag 04 70 Geburtstag 05
Stadt- und Ortschaftsrat Karlheinz Streib formulierte als begeisterter Fußballfan die Meinung vieler Experten: „Beckenbauer war ein Techniker, Müller ein Torjäger und Ohlhauser der beste Spieler.“ 
 
Stand 2011
Presseberichte: RNZ 26.06.2015 - Mannheimer Morgen - Die Welt -