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Ein Engel wacht am Friedhof Dilsbergerhof
Daniel Halter gestaltete Skulptur mit der Kettensäge
15. März 2015
 
Der Friedhof im Dilsbergerhof ist lichter geworden, denn ein paar der Kiefern hatten Astausbrüche und Totholz in den Kronen und sahen nach deren Entfernung so aus, dass es keinen Sinn machte sie stehen zu lassen. Auch die große Esche am neuen Grabfeld, deren Krone durch das Eschetriebsterben weitestgehend abgestorben war, musste bis auf den Torso zurückgeschnitten werden. Da der Stamm noch intakt war, kam dem Leiter der Stadtgärtnerei, Bernhard Keilhauer, eine gute Idee. Er fragte den Kettensägenschnitzer Daniel Halter ob sich durchaus etwas Passendes gestalten lasse. Der schaute sich das Objekt an und ließ seiner kreativen Ader freien Lauf. Auch wenn der Stamm der Esche recht schmal war, die vorhandene Astgabel inspirierte ihn sofort: „Das sind Flügel von einem Engel!“
 
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Zuerst arbeitete er die Konturen grob heraus. Immer wird legt er die Kettensäge zur Seite, um Ecken und Kanten zu prüfen. Beim Arbeiten konkretisieren sich die Gestaltungsmöglichkeiten und seine Devise lautet weniger ist mehr. „Absägen kann ich immer noch, hinzufügen nichts mehr.“ So entstanden beim Engel zunächst die Umrisse von Kleid, Kopf und Flügel. Effektiv arbeitete er die Kopfform heraus, die ohne Gesichtszüge sehr ausdrucksvoll wirkt. Geschickt sägte er Falten ins Gewand und brachte wallende Engelshaare zur Geltung. Filigranes Arbeiten erforderte die Kerze mit Flamme und eine besondere Herausforderung waren die Flügel, in die er konzentriert unzählige Federn sägte. Das ging ganz schön in die Arme, über eine längere Zeit mit der kleinen, 4 Kilo schweren Säge auf Kopfhöhe zu arbeiten und die große Säge für die Konturen wiegt sogar 7 Kilo.
 
Friedhof Engel02 Für den auf dem Dilsberg aufgewachsenen Kettensägenschnitzer wurde aus seinem Hobby inzwischen längst ein Zweitberuf. Seine kunstvoll mit der Kettesäge gestalteten Werke sind über die Region hinaus bekannt, selbst aus dem hohen Norden erreichen ihn Anfragen. Dabei handelt es sich bei 95 Prozent um private Aufträge mit klar definierten Motivwünschen. Bei Arbeiten an vorhandenen Baumstämmen, so wie auf dem Friedhof, entscheidet allerdings das vorhandene Baummaterial über Motiv und Größe.
 
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 Mit kritischem Blick überprüft er immer wieder sein Werk, ob und wo er eventuell noch etwas wegnehmen muss. Am liebsten hätte er die Flügel unten etwas ausladender gestaltet, doch das gab der Stamm nicht her. Neunzig Prozent seiner Arbeiten führt er mit der Kettensäge aus und schleift den Rest mit der Flex. Am Ende überzieht er die Skulptur mit einer hellen Holzlasur, damit Holz und Maserung zur Geltung kommen. Das schrille Geräusch der Motorsäge signalisierte zwei Arbeitstage lang von seinem Schaffen, bei dem viel Fingerspitzengefühl und Kreativität gefragt ist. Jetzt wacht ein Engel am neuen Grabfeld und spendet den Friedhofbesuchern Trost.
 
Friedhof Engel08 Friedhof Engel09 Um erst gar keine Spekulationen aufkommen zu lassen und der Dilsbergerhof nicht zum Wallfahrtsort sowie der Neckarsteig nicht zum Pilgerweg wird, für den braunen Fleck am Hals des Engels gibt es eine ganz unspektakuläre Ursache.

Eschen besitzen einen braunen Kern, der sich von unten nach oben in Richtung Astgebilde verjüngt, der im schlanken Halsbereich der Skulptur zum Vorschein kommt. Durch die Restfeuchtigkeit im Stamm und durch Regen verbreitete sich die braune Flüßigkeit im Holz. Das anschließende Abschleifen und eine Lasierung wird dies unterbinden und das Holz schützen.
   
Inzwischen wurde die Skuptur mit Holzschutz eingelassen
 
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Text: boe
Bilder: bz
© www.dilsberg.de   13.03.2015
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