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Skulpturengarten Dilsberg -
ein Besuch der sich lohnt
Gelungener Dialog
zwischen Architektur, Landschaft und Skulpturen
Ausstellung
vom
10. Juni bis 16. September 2007
Noch bis zum
16. September lädt der Skulpturengarten Dilsberg ein, nicht
nur Geschichte sondern auch Kunst unter freiem Himmel zu
genießen. Zum ersten Mal ging die Kulturstiftung des
Rhein-Neckar-Kreises neue Wege. Nicht die Kunstwerke, wie
bei der jährlichen Kunst-Wanderausstellung üblich, sondern
die Besucher wandern an einen der schönsten Punkte des
Kreises, dem kurpfälzischen Kleinod Dilsberg. |
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Das terrassierten
Gelände des Burggartens, südlich der Burgruine gelegen und das
Kommandantenhaus bieten das ansprechende Ambiente für
dreidimensionale Arbeiten von 15 Künstlerinnen und Künstlern, die in
unserer Region leben oder mit ihr auf besondere Weise verbunden
sind. Im Rahmen der 18. Kreiskulturwoche runden diverse
Veranstaltungen und Workshops eine gelungene Ausstellung ab. |
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Großen Andrang
erlebte das Kommandantenhaus im Juli beim Künstlerfrühschoppen, wo
es Künstler zum „Anfassen“ gab. Die Kombination Kunst, Information,
Musik und Unterhaltung fand regen Zuspruch. Jedes Plätzchen wurde
genutzt und die tolle Atmosphäre genossen. Fast alle ausstellenden
Künstler waren präsent und nutzten die Gelegenheit zum regen
interdisziplinären Austausch.
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Die Musiker der New
Orleans Jazz Band „Old Jazz Connection“ spiegelten mit ihrem
unverfälschten Sound, den Klang des frühen Jazz wider und sorgten
für eine lockere entspannte Atmosphäre. Bandleader und Banjo-Spieler
Gerhard Molitor begeisterte mit seiner rauchig-markanten Stimme und
kündigte die jeweiligen Stücke an. „Lazy River“ oder „Georgia on my
mind“ der Rhythmus ging ins Blut. Für ihre mitreißenden Solis auf
der Trompete, der Klarinette, am Schlagzeug und am Kontrabass
erhielten die Musiker kräftigen Applaus.
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Großes Interesse bestand an den angebotenen Führungen mit Prof. Hans
Gercke, dem ehemaligen Vorsitzenden des Heidelberger Kunstvereins,
der prägnant und informativ sowohl Kunstwerke wie Künstler den
Teilnehmern näherbrachte. Gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Anselm Riedl
zeichnete er für die Auswahl der Arbeiten sowie die Konzeption
verantwortlich. Die Künstler konnten sich vor Ort ein Bild vom
Gelände verschaffen und danach mitentscheiden, welches Objekt sie
ausstellen wollten und an welchen Platz es stehen sollte.
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Skulpturen
benötigen Platz um zu wirken, man muss sie umrunden können, um sie
im Zwiegespräch auf sich wirken zu lassen. Prof. Riedl schrieb dazu
im erhältlichen Katalog: „Zum ersten Mal muss sich Burggarten und
Kommandantenhaus als Ambiente für dreidimensionale Arbeiten
bewähren. Vielleicht müsste man gerechterweise sagen: haben
plastische Werke in dieser außerordentlichen Landschaftsumgebung zu
bestehen.“
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Der ausgebildete Steinmetz und Steinbildhauer
Knut Hüneke bevorzugt
spröde Materialien, wie Basaltlava aus der Eifel. Vom Material lässt
er sich leiten und herausfordern, sein Ziel ist es: „Dem Stein
soviel zu lassen, dass er Stein bleiben kann, und der Figur soviel
zu geben, dass sie in Erscheinung tritt.“ Bei der Entstehung seiner
Figur „Steinhüne“ war als erstes der natürlich geformte Stein und
somit die Dimensionierung durch die Natur vorgegeben, hierein denkt
er sich dann seine Skulptur. Basaltlava ist durch die Erkaltung ein
oftmals völlig zerrissenes Material. Für den Künstler ist die Jagd
nach dem geeigneten Stein sehr spannend. Die Frage, ob es sich bei
dem Hünen um eine Frau oder einen Mann handelt, geht ihm zu sehr ins
Detail.
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Besticht der „Steinhüne“ durch Massivität so steht dem kontrastreich
gegenüber die Filigranität der Skulptur von Günter Braun und lädt zu
einem Dialog ein. „Dreieck“ aus der Serie: Gebrochene Ordnung,
basiert auf einem völlig anderem Umgang mit dem Material.
Autodidaktisch hat der begnadete Bildhauer eine Virtuosität
erreicht. Der in Heidelberg geborene Künstler gab 1986 seinen Beruf
als Bautechniker auf und ist seitdem selbstständiger Bildhauer.
Seine Arbeiten sind symbolische Aussagen und stehen für die
Unvollkommenheit des Lebens.
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„Portrait eines Waldes“ nannte die in Leimen lebende
Kazuyo Tokunaga
ihre Bauminstallation aus Stoff und Stein. Sie bezieht den
bestehenden Baum in ihre Installation mit ein und umwickelt ihn mit
einem 40 Meter langen Stoffband, auf welchem schwarzweiß Bildnisse
der Bäume in den Wäldern zu sehen sind. Der Kreis auf dem Erdboden
aus weißen Kieselsteinen, markiert den Ort, wo ein magisches
Kraftfeld entsteht und wird zum Vermittler zwischen dem Menschen und
der Natur. Der Baum erzählt den Menschen seine Urgeschichte, um sie
an ihre eigenen Wurzeln zu erinnern.
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Handgesägter Marmor ist das Ausgangsmaterial von
Hüseyin Altin. Die
zweiteilige Skulptur „Pariser Zyklus – 27“ aus rechteckigen Mamorplatten steht in geringem Abstand nebeneinander und lässt
dadurch Licht in sich hinein. Dünne und brüchige Schnitte bahnen
sich den Weg, tasten sich unterschiedlich weit in das Material vor
und durchtrennen die Steinmasse. Altin lebte sechs Monate in Paris
und ließ sich durch die das Stadtbild prägenden Straßenzügen zu
dieser Arbeit inspirieren.
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Mit seinem japanischen Paar
„Besucher“ schuf Matthias Schöner fast
realistische Figuren, die durch ihre Zugehörigkeit zur Oberschicht
einen Bezug zur Burg haben. Die Idee kam ihm vor Ort und verkörpert
die Sehnsucht nach Weite und Vergangenem, was er versucht in
ironischer Art und Weise rüber zu bringen. Die Skulpturen aus
Styropor sind mit einer Mischung aus Mineralien und Acryl überdeckt,
modelliert, geschnitten sowie geschnitzt und klassisch erarbeitet.
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Ein Blickfang sind die Edelstahlarbeiten von
Gertrude Reum die sie
mit der Schwingschleife gestaltet. Für die in Buchen lebende
Künstlerin war in den 70er und 80er Jahren der Kreis ein wichtiges
Thema: ein Symbol für die Unendlichkeit, ohne Anfang – ohne Ende.
Die Verwandlungen sind ein weiteres Thema ihres Schaffens. Ihre
„Geformte Chromnickelstahlrohre“, eine Art Kinetik, haben mit
Bewegung und Natur zu tun. Diese Skulptur muss man umgehen, denn sie
sieht von jeder Seite anders aus und bei Sonnenlicht strahlt sie wie
eine Lichtquelle mit eigener Energie.
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Hans-Michael Kissel
hat sich für seine kinetische Konstruktion ganz
genau diesen Platz ausgesucht, denn der Bogen hat einen Bezug auf
den Berg im Hintergrund, sie bilden quasi eine Linie. Bei Wind ist
sein Werk „…der Berg fliegt“ gut in Funktion zu erleben. Mit ruhigen,
schwingenden, schwebenden Bewegungen symbolisiert die Skulptur die
Unvorhersehbarkeit der Bewegung in einer allzu berechneten und
geordneten Welt. Voller Langsamkeit und Ruhe bildet seine Arbeit
einen wohltuenden Gegensatz zur Hektik unserer Zivilisation.
Der in Mannheim arbeitende Künstler Jens Trimpin präsentiert eine
minimalistische „Skulptur“. Drei flache Marmorplatten mit
keilförmigem Zuschnitt, die gesägt und teilweise überschliffen sind.
Durch die Art und Weise wie er sie platziert hat, stehen sie im
Dialog zueinander.
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Nach digitalen Skizzen entwickelt
Michael Lindgrên am PC seine
Skulpturen aus Stahl und fertigt sie dann manuell an. Der studierte
Mathematiker mit Anwendung Physik hat sich aus diesem Bereich die
Ästhetik hinübergerettet. Das Blech wird mit einem Laser
zugeschnitten und das ist die einzige Fremdarbeit an seinen Werken.
Beim „Gordischen Knoten“, aus weiß gefasstem Stahl, wurde das
Material 40 Stunden gewalzt bis es seine gewünschte Form hatte. Der
Titel seiner Arbeiten spielt erst mal keine Rolle, eine Kunstanalyse
macht er hinterher.
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Wie ein Wasserfall verläuft eine Edelstahlbahn durch den Burggarten.
Die konstruktiv-konkrete Kunst ist das Thema von Kurt Fleckenstein,
der sein Werk „auf und davon“ nannte. Diese Installation hat etwas
temporäres, denn sie wird nach einiger Zeit so nicht mehr
existieren. Begonnen hat alles mit einer Performance, bei der sich
die herunter gerollte Edelstahlrolle wie ein Bach anpasste. Der
studierte Landschaftsarchitekt bezieht die Landschaft mit ein und
bietet dadurch einen inszenierten Kontrast: glänzender Edelstahl
inmitten alter Burgmauern und dem Grün der Parkanlage.
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1964 fertigte Erich Sauer
seinen ersten Bronzeguss und war von der
Arbeit mit den Wachsplatten fasziniert. Es ist für ihn jedes Mal ein
merkwürdiges Gefühl, wenn das Wachsmodell im 1300 Grad heißen Ofen
ausläuft und damit verloren ist. Verlorener Wachsguss nennt man
dieses Verfahren, mit welchem auch der „Der menschliche Zwiespalt“
entstand. „Der menschliche Zwie-Spalt in zwei eherne Säulen
gegossen, zusammengehörig, doch nie zusammenkommend.“, so
interpretierte Lutz Backes, Karikaturist und Autor, dieses Werk.
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Der Berliner
Markus Paetz war 2006 Stipendiat der Kulturstiftung
Rhein-Neckar-Kreis und weilte im Kommandantenhaus. Während dieser
Zeit entstand „Seascape XIX“, ein dreidimensionales Kunstwerk
mit topografischen Segmenten aus Beton. Anhand ausgedienter
Seekarten lässt Paetz Unterwasserlandschaften mit bizarren
Strukturen entstehen.
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Barbara Hirner
lebt in Heidelberg und ist als Oberstudienrätin im Schuldienst
tätig. Der uralte Werkstoff Tonerde gibt ihr die Möglichkeit einen
Bogen von der Tradition zur Moderne zu spannen. Ihr Augenmerk
richtet sie auf die menschliche Figur, die aus geometrischen Formen
aufgebaut und vom Urtyp als Frau oder Mann zu erkennen ist. Den
Platz für ihre Figurenstelen „Paar“ hat sie bewusst gewählt,
weil dieser Winkel durch seinen Gartencharakter das Werk optimal zur
Geltung kommen lässt.
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Im Hof vor dem
Kommandantenhaus liegt, wie zufällig vergessen, „dismantling a
column“, eine Skulptur aus Muschelkalk. Hans Michael Franke
bildet keine Säulen ab, sondern „zerlegt“ Säulen und zeigt nur Teile
von etwas Großem. Seine Skulptur erlangt ihr räumliche Weite
dadurch, dass von der mutmaßlichen Säule nur noch die Hülle bzw. der
Mantel vorhanden ist. So wie die abgeschälte Rinde einer Eiche,
steht sie wie ein Stück schützende und zugleich schutzbedürftige
Borke im Raum.
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Seit Jahrzehnten weiß
Otto Wesendonck Körper aus Bronze- oder Edelstahlblechen so
zu gestalten, dass man vermuten könnte, aus einer fügsamen Masse
geformte Gebilde vor sich zu haben. Seine großen und schweren
Plastiken bewegen sich oft leicht und beschwingt durch Luft und
Wasser. So auch bei „Quinta“, einem elegant hoch züngelnden
Werk, aus Bronze gegossen und gebaut. Die durch einen eingebauten
Motor mögliche Rotation, verschafft dem Betrachter immer neue
Blickwinkel.
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Die Kunstszene war
schon immer pluralistisch, im Skulpturengarten zeigt sie jedoch
explizit ihr weites Spektrum an Materialien, Techniken, Formalien –
die Spannbreite der Möglichkeiten. Je nach Wetterlage, bedingt durch
Licht und Schatten, erlebt man die unterschiedliche Wirkung der
Exponate bei den jeweiligen Lichtverhältnissen. In diesem
wunderbaren Areal mit Blick ins Weite, begeistert der Dialog von
Architektur, Landschaft und Skulpturen. Der Skulpturengarten - ein
Besuch der sich lohnt!
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